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Der echte Wendigo – Mythos!

Der Wendigo ist den meisten bestimmt nur aus dem PC Spiel Until Dawn bekannt. Doch es gibt tatsächlich einen Mythos hinter dieser tödlichen Kreatur. Wendigowak (so der korrekte Plural von Wendigo) sind sehr viel älter, als das PC Spiel, in dem sie uns heimsuchen können.

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Der Spieleherstellter Supermassive Games hat wohl erkannt, dass gerade in PC Spielen neue Horrorgestalten her müssen, damit sich das gewünschte Grauen oder Gruseln einstellt. Geister, Dämonen, Vampire und Zombies sind so massenhaft in PC Spielen vertreten, dass eine Art Übersättigung eingetreten ist und wir uns nicht mehr so gruseln, wie wir es sollten.

Ein neues Feindbild musste her und da zaubert das Videospiel Until Dawn den Wendigo aus dem Hut. Dieses Wesen stammt aber nicht aus der Feder der Until Dawn Entwickler, sondern dieses Wesen ist ein Wesen aus der Mythologie der amerikanischen Ureinwohner.

Bei dem Wendigo handelt es sich um eine mythologische Kreatur, die von einem unstillbaren Hunger nach Menschenfleisch getrieben wird. Zum Wendigo kann der Mythologie nach jeder Mensch werden, wobei es nur zwei Möglichkeiten gibt, als Mensch zu diesem Wesen zu mutieren. Erstens, ein dämonisches Wesen ergreift Besitz von dir oder zweitens – die häufigste Variante – ein Mensch wurde zum Kannibalen, so wie es in Until Dawn passierte. Warum der Mensch zum Kannibalen wurde ist übrigens egal, selbst wenn er nur einen anderen Menschen gegessen hat, um selbst nicht den Hungertod zu sterben ist er auf ewig verdammt und mutiert zum Wendigo, der ab diesem Zeitpunkt einen unstillbaren Hunger auf Menschenfleisch hat.

Bei dem Aussehen der Wendigowak weicht das Spiel allerdings von dem Mythos ab. In Until Dawn erinnern sie an eine fiese Version von Gollum und tragen teilweise sogar noch Narben und Tätowierungen der Person, die sie einst waren, bevor sie Menschenfleisch gegessen hatten. In dem Mythos des Wendigos der amerikanischen Ureinwohner hingegen werden sie als Gestaltenwandler oder als ein aufrecht gehendes Wesen mit Geweihen beschrieben, welche den Leshen aus dem PC Spiel The Witcher ähnlich sein müssten.

Allen Beschreibungen gemeinsam ist aber, dass diese Kreatur, der Wendigo, groß und schlank ist. Er besitzt lange Gliedmaßen und hat sehr scharfe Zähne. Er soll aber auch in der Lage sein, entweder mittels mächtiger Zauberei oder durch Besitzergreifung einzelne Menschen in den Wahnsinn zu treiben. Dann bringt er sein Opfer dazu, andere Menschen oder sogar die eigene Familienmitglieder zu töten und ihr Fleisch zu essen. Der Wendigo ist der Mythologie nach auch in Lage, jüngst Verstorbene zu Wiedergängern zu machen, welche er dann gegen lebende Personen losschickt. Weiteren Überlieferungen zufolge finden die Geister getöteter Wendigo-Opfer keine Ruhe und werden oft selbst zu einem Wendigo.

Bei den Fähigkeiten, die der Wendigo besitzen soll, sind die Spieleentwickler sehr nahe am Original des Mythos. Der Wendigo ist stark, schnell, unermüdlich und empfindet weder Kälte noch Wärme seiner Umgebung. Trotz dieser Überlegenheit, stellt er seiner Beute, den Menschen, auch mit List und Tücke nach. Er imitiert menschliche Stimmen, obwohl er nicht sinnvoll sprechen kann, um Personen aus der Sicherheit ins Verderben zu locken. Außerdem kann er seine Opfer in den Wahnsinn treiben, bevor er sie frisst oder von ihnen Besitz ergreift. Es gibt noch eine weitere interessante Eigenschaft des Wendigos: Je länger er lebt, desto stärker wird er.

Die Wendigowak aus der amerikanischen Mythologie haben keinerlei Bindung oder Erinnerung an ihr früheres Leben. Sie werden nur noch von dem Hunger nach Menschenfleisch getrieben, daher kann man feststellen, das der Wendigo der erste Zombie war, über den berichtet wurde.

Und diese Berichte sind sehr alt. Sie reichen bis in frühe 17. Jahrhundert zurück. Einer dieser dokumentierten Berichte des Wendigos stammt vom Stamm der Anishinaabe, eines der größen Völker der amerikanischen Ureinwohner. Sie lebten im Norden der USA und in Kanada, wo die Temperaturen im Winter weit unter dem Gefrierpunkt lagen. Heute geht man davon aus, dass der Wendigo-Mythos folgenden Ursprung hat: In den Wintermonaten in der Kälte des Nordens der USA und in Kanada waren Hungersnöte keine Seltenheit und in den langen Wintermonaten sind viele verhungert. Der Mythos sollte Menschen davon abhalten – auch aus der größten Not heraus – andere Menschen zu essen und somit zum Kannibalen zu werden.

Laut der Legende des Wendigos waren Menschen, die Menschenfleisch gekostet hatten, so verdorben, dass sie von bösen Geistern heimgesucht wurden. Die Legende implizierte, dass es besser sei, zu verhungern oder sich selbst zu töten, als auf Ewig mit einem unstillbaren Hunger auf Menschenfleisch die Gegend auf der Suche nach anderen Menschen zu durchstreifen und andere, Unschuldige mit in den Abgrund des Wendigos-Lebens zu ziehen. Der Wendigo Mythos entwickelte sich sogar weiter, es kam später hinzu, dass auch besonders gierige Stammesmitglieder Opfer des Wendigos werden konnten. Der Mythos des Wendigos hatte also einen guten Zweck: er sollte für Mäßigung sorgen und vor allem sollte er verhindern, dass Menschen sich gegenseitig umbringen und essen.

Geschichten und Legenden um den Wendigo werden innerhalb der Ojibwa- und Cree-Gemeinden seit Urzeiten überliefert. Als die Hungernöte und die Gefahr des Kannibalismus nicht mehr so präsent waren, änderten sich auch die Geschichten um den Wendigo. Die Angst vor dem Wendigo ließ die Indianer stets in kleinen Gruppen losziehen, um in den Wäldern zu jagen. Wann immer ein Stammesbruder von seiner Jagd nicht mehr zurückkehrte, wurde oft der Wendigo verantwortlich gemacht. Der Glaube an Wendigowak war so stark, dass Gesetze und Tabus innerhalb der Indianergemeinden eingeführt wurden, die den Umgang mit vorgeblich Besessenen und Wendigowak regeln sollten. Wenn beispielsweise ein Stammesbruder besessen war, mussten seine Begleiter ihn umgehend töten. Europäische Siedler und Missionare berichteten im frühen 19. Jahrhunder über Exekutionen von angeblich Besessenen in den Gemeinden der Cree, der Ojibwa und der Saulteaux. Kindern und Jugendlichen wurden (und werden) Gruselgeschichten über Wendigowak erzählt, um sie zu erziehen und von nächtlichen Alleingängen abzuhalten.

 

Das PC Spiel Until Dawn hat sich diesen Mythos zunutze gemacht und verwendet die Figur des Wendigos in einer Art und Weise, die sehr nahe an der originalen Mythologie der Ureinwohner der USA ist. Als Spielvariante des Mythos begegnet uns der Wendigo aber auch – wie schon erwähnt – als Vorlage für Zombies, er könnte auch als Vorlage für Hannibal Lektor oder sogar als Inspiration für den Film Friedhof der Kuscheltiere gedient haben. Aber Until Dawn und The Secret World gehören zu den wenigen Spielen, in denen wir den Wendigo so erleben können, wie er auch in der amerikanischen Mythologie vorhanden ist.

 

Ein kleiner Exkurs noch zum sogenannten „Wendigo Syndrom“:

Dies soll eine sehr umstrittene psychische Störung ein. Angeblich verspüren Betroffene einen Heißhunger auf Menschenfleisch, obwohl andere Nahrung ausreichend zur Verfügung steht. Ein bekannt gewordener Fall ist der aus dem Jahre 1878. Ein Mann in Alberts soll seine Frau und seine fünf Kinder getötet und gegessen haben. Dieses angebliche Wendigo Syndrom ist allerdings so selten, dass angezweifelt werden kann, dass es überhaupt jemals existiert hat. Denn zu dem Wendigo Syndrom gehört – im Gegensatz zum Kannibalismus – dass man sich ausschließlich von Menschenfleisch ernähren würde. Diese psychische Störung konnte allerdings nie wissenschaftlich erforscht werden, da sie von der Bildfläche verschwand, bevor die ersten Forschungen zu diesem Sachgebiet gemacht wurden.

Liebe Mystery-Banden-Fans, falls jemand von euch das Spiel Until Dawn spielt und euch der Wendigo über den Weg läuft, dann sehr ihr ihn jetzt vielleicht mit anderen Augen. Viel Spaß und lasst euch nicht vom Wendigo erwischen.

15 thoughts on “Der echte Wendigo – Mythos!

  1. Danke für den interessanten Beitrag. Vorher noch nie von gehört.

    Da ich ein leidenschaftlicher Gamer bin, finde ich Hinweise aus der realen Welt oder eben Mythen oder Sagen in Zusammenhang mit Spielen sehr spannend.

    Gern mehr solche Zusammenhänge.

    Gruß an Alle !

  2. Vielleicht kann mir jemand helfen es gab da einen Film der genau diese Wendigogeschichte beschrieb.Er spielte zum Rnde der Indianerkriege in den Wäldern zu Kanada-Goldrausch und viele zwielichtige Typen-da war es auch so,dass sie nur einen Überlebenden fanden in einem Fort….später stellte sich dann eins nach dem anderen heraus-super spannend gemacht und ein Medizinmann sprach auch immer vom Wendigo!

      1. Ravenous – Friß oder stirb
        Captain John Boyd wird nach dem Krieg in ein gottverlassenes Fort mitten in der Sierra Nevada versetzt. Hier leben außer ihm nur wenige Menschen, mit denen er sich aber mehr oder weniger anfreundet. Eines Tages finden sie einen Fremden mit dem Namen Colqhuon, der fast erfroren ist. Sie pflegen ihn wieder gesund, müssen dann aber feststellen, daß Colqhuon offensichtlich ein Kanibale ist. Das will ihm aber niemand glauben, und da sowohl alle Zeugen als auch der Fremde tot zu sein scheinen, geschieht auch nichts weiter – bis es eines Tages einen neuen Kommandanten gibt, der genau so aussieht, wie der mutmaßlich tote Menschenfresser.
        Genre: Horror

        Regisseur: Antonia Bird, Antonia Bird

        Schauspieler: Guy Pearce, Robert Carlyle, David Arquette, Jeremy Davies, Jeffrey Jones, John Spencer, Stephen Spinella, Neal McDonough, Joseph Runningfox, Bill Brochtrup, Sheila Tousey, Fernando Becerril, Gabriel Berthier, Pedro Altamirano, Joseph Boyle

        Dauer: 101 min

        Qualität: HD

        IMDb: 7

  3. Hallo Quipu

    Es gibt auch Fotografien von einzelnen Wendigowak. Echt oder Fake, keine Ahnung. Vielleicht ist der Mythos ja auch entstanden, weil es kalt war und eine Person sich mit Fell und auf dem Kopf mit einer Art Fellmütze vom Hirsch (mit Geweih) warm halten wollte.
    Liebe Grüße

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