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Der Geist von Burg Lahneck

Ein tragischer Vorfall ereignete sich im Jahre 1851 auf Burg Lahneck. Das ist der Grund, warum die Burg auch heute noch von einem Geist heimgesucht wird.

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Die Burg Lahneck

steht in Rheinland-Pfalz in Lahnstein bei Koblenz am Rhein. Sie wurde auf einem Felsvorsprung im Jahr 1226 errichtet. Sie diente nicht als Zollburg, wie viele andere Burgen am Rhein, da ihre Entfernung zum Rhein zu groß ist, sondern sie diente zum Schutz des Gebietes an der Lahnmündung in deren Nähe sich auch in Tiefenthal ein Silberbergwerk befand.

Der Geist der Burg Lahneck

ist relativ jung, er ist gerade mal 168 Jahre alt. Die tragische Geschichte, die sich dort ereignete fand im Jahr 1851 statt.

Die 17jährige Idilia Dubb bereiste mit ihrer Familie und ihren beiden Geschwistern den Rhein. Die ganze Familie stammte aus Schottland, aus Edinburgh. Nachdem sie in Koblenz übernachtet hatten, wanderten sie weiter nach Lahnstein und machte dort Rast im Wirtshaus an der Lahn. Die begeisterte Malerin Idilia Dubb ging alleine in die nähere Umgebung, um ein schönes Motiv für ihre Malerei zu finden. Sie entdeckte schließlich die Burg Lahnstein und wollte von diesem Aussichtspunkt den Rhein malen. Sie kletterte den zugewachsenen Burgweg hoch und stieg auf den Bergfried der Burg. Als sie den Turm erstiegen hatte, stürzte jedoch die morsche Holztreppe ein. Idilia war auf dem Turmplateau gefangen. Es war unmöglich den Turm zu verlassen, ein Herunterklettern war nicht möglich und mit einen Sprung konnte sie sich aus der Höhe von ca. 20 Metern auch nicht retten, ohne ihr Leben zu verlieren. Sie konnte nur auf Rettung hoffen.

Die Familie vermisste Idilia selbstverständlich und es begann eine Suchaktion, doch niemand fand das Mädchen in der verlassenen Burg. Die Familie Dubb setze schließlich schweren Herzens ihre Reise fort, da sie davon ausgehen mussten, dass Idilia einem Verbrechen zum Opfer gefallen oder verschleppt worden ist.

Burg Lahneck. Bildnachweis: Von Holger Weinandt – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10418857

Idilia hingegen gab die Hoffnung nicht auf. Sie schrieb ihre Gedanken in einem Tagebuch auf, sie war lange noch hoffnungsvoll, dass sie gefunden würde. Im Tagebuch schrieb sie auch die erfolglosen Versuche auf, sich aus Steinen ein Treppe zu bauen, sie berichtete, wie die Zunge durch ihren Durst langsam am Gaumen klebte und wie sie die Vögel beneidete, die einfach weg fliegen konnten.

Doch ihre Hoffnungen waren vergebens, schließlich verdurstete sie einsam und verlassen auf dem Burgfried. Ihr Skelett wurde 1860, also fast 10 Jahre später, zufällig von Bauarbeitern entdeckt und neben ihr lag das Tagebuch. Noch heute soll ihre verlorene Seele, die niemand retten konnte, auf der Burg spuken. Die letzte Eintragung in Tagebuch von Idilia Dubb lautete: „Father in heaven, have mercy on my soul“. („Vater im Himmel sei meiner Seele gnädig“)

Diese Geschichte

gibt es in mehreren leichten Abwandlungen, in einer wird berichtet, dass sie nicht den Rheinblick, sondern die Ruine Lahneck zeichnen wollte und dass sie, als die Treppe eingestürzt war, sich durch Winken bemerkbar gemacht habe. Bauern und Schiffer aus der Ferne sollen zwar zurück gewunken haben, aber nicht die ausweglose Situation erkannt haben, in der Idilia Dubb steckte. Es wird auch berichtet, dass in dem Tagebuch nicht nur die letzten Lebenstage bis zum Tod niedergeschrieben waren, sondern die gesamte Reise der Familie.

Ähnliche Erzählungen

gibt es auch, die allerdings frei erfunden sind. So die Geschichte von 1842 von Thomas Hood „The Tower of Lahneck. A Romance“, welche im „The New Monthly Magazine“ veröffentlicht wurde. Sie handelt von zwei Frauen, die im Mai 1830 den Turm der Burg Lahneck besteigen. Die Treppe stürzt ein und die beiden sind auf dem Turm gefangen. Als niemand ihre Hilferufe bemerkt, beschließt eine der Frauen zu Springen. Sie überlebt den Sprung in 20 Meter Tiefe auf den Felsboden nicht. Die andere Frau verdurstet auf dem Turm.

Dieser Geschichte liegt jedoch ein wahrer Kern zugrunde, wie die Frau von Thomas Hood, dem Autor der Geschichte, berichtete, als ihr Mann verstorben war. Bei einer Rheinreise im Jahr 1836 ist ihr und ihrer Freundin dies tatsächlich passiert, allerdings sind nur einige Stufen der Treppe eingestürzt, außerdem wurden sie relativ schnell gefunden.

Ein sehr junger Geist

hat so einige Vorteile. Es gab zu dieser Zeit schon Zeitungen, die über den Vorfall berichteten und die Geschichte bekannt machen konnten. Zuerst wurde die Geschichte unter dem Titel „Der Tod der Miß Dubb“ bereits 1863 im „Adenauer Kreis- und Wochenblatt“ veröffentlicht. Ebenfalls 1863 erschien die Geschichte im Feuilleton des „Neuen bayerischen Volksblatts“ in Stadtamhof, sogar die niederländische Presse berichtete darüber. Über den tragischen Tod von Idilia Dubb wurde sogar in der Londoner Times berichtet.

Wer sich umfassend mit den alten Zeitungsartikeln beschäftigen möchte, hier ist eine Auflistung der Presseartikel https://archivalia.hypotheses.org/2726 außerdem gibt es dort noch weitere Informationen über den Fall Idilia Dubb.

Wahrheit oder Legende,

das ist die große Frage, die sich nun stellt. Hat dieses Ereignis tatsächlich stattgefunden und der Spuk auf der Burg Lahneck hat damit ein zumindest historisch belegtes Ereignis, oder nicht.

Die Geschichte ist zumindest in den Zeitungen erschienen, es gibt Bücher über die Geschichte, sie wurde verfilmt und es entstand sogar eine Oper von Mark Moebius zu dem Thema. Außerdem gibt es das Tagebuch.

Beginnen wir mir der Familie Dubb aus Schottland, aus Edinburgh. Da ist schon das erste Problem. Nachforschungen haben ergeben, dass diese Familie zu der Zeit nie in Edinburgh gelebt haben.

Das Tagebuch

ist nach eineinhalb Jahrhunderte auf unglaubliche Wege veröffentlicht worden. Der Inhalt liest sich wie ein professioneller Roman. Er enthält alle nötigen Erzählstränge, eine romantische Liebesgeschichte, eine bis in Detail spannende Handlung, eine verstrickte Beziehung zwischen Idilia Daubb und einem Adligen, die ehrlose Mutter, den trunksüchtigen Vater, sowie Holländer in Holzschuhen und lampenhaltende Gastwirte. Dieses Tagebuch, welches im Bertelsmann Jugendbuchverlag 2002 übersetzt wurde, enthält gravierende Fehler. Es wird beispielsweise eine Eisenbahnlinie erwähnt, die Lahntalbahn. Diese wurde allerdings nachweislich erst 1858 erbaut. Da war Idilia Dubb schon seit 9 Jahren tot. Es wird schnell klar, dieses längere Tagebuch ist wohl frei erfunden.

Original Tagebuchseite: en.wikipedia.org / Creative Commons

Aber es gibt noch das bei dem Skelett gefundene Tagebuch, von dem die letzten beiden Seiten 1863 im Adenauer Kreis- und Wochenblatt veröffentlicht worden sind. Hier gibt es nur Anhaltspunkte: Der Zustand des Einbandes des Tagebuches ist viel zu gut erhalten, leider kann ich das Foto hier nicht zeigen. Auffällig ist auch, dass die Namen der Familienmitglieder und der Freundinnen nicht im Geburts- oder Todesregister von Edinburgh zu finden sind.

Weiterhin passen einige Beschreibungen nicht zur Realität. Der Bergfried, auf dem Idilia Dubb gestorben sein soll, hatte, wie für Bergfriede üblich, keinen ebenerdigen Zugang. Die Treppen in den oberen Etagen sind im Inneren der Außenmauern angelegt und waren noch erhalten.

Idilia Dubb könnte sich aber auch geirrt haben und im Nord-West-Turm gewesen sein, dort gab es eine Holztreppe.

Die Zeitungen

der damaligen Zeit wurden auch misstrauisch. Die „Allgemeine Zeitung München“ und die „Pfälzer Zeitung“, welche im Juni 1864 über die tragische Geschichte von Idilia Dubb berichteten, fühlten sich an „Die Erzählung von einer Braut in Modena“ des Dichters Rogers erinnert.

Es könnte tatsächlich sein, dass diese moderne Sage, erst 1863 durch den Artikel des „Adenauer Kreis- und Wochenblattes“ in Umlauf gebracht wurde. Es könnte sein, dass es sich im Zusammenhang mit der literarischen Rheinromantik nur um eine literarische Erfindung handelt und dieses Ereignis niemals stattgefunden hat.

Das faszinierende daran ist, dass das Kreisblatt vielleicht, ca. 140 Jahre vor den Hitler-Tagebüchern, die erste Zeitung war, die einem geschickten und fantasievollen Fälscher eine große Bühne geboten hat und seinen Berichten Glauben geschenkt hat. Immerhin ist damit eine schöne Legende in die Welt gesetzt worden. Diese war die Inspiration von einigen Filmen, Romanen und sogar eine Oper von Mark Moebius.

Fazit

ist auf jeden Fall, dass die Burg Lahneck somit ihren Geist erhalten hat, der für eine internationale Bekanntheit gesorgt hat und auch heute noch jede Menge Touristen anzieht. Die Geschichte von dem Geist der Idilia Dubb wird bei der Burgführung auch heute noch als wahr verkauft.

Original Tagebuchseite. en.wikipedia.org / Creative Commons

Vielleicht hat sich die Geschichte auch tatsächlich so zugetragen. Vieles spricht nicht dagegen. Die Familie Dubb war – warum auch immer – nicht in ihrer Heimatstadt Edinburgh registriert. Idilia hat sich nur im Turn geirrt, sie war nicht im Bergfried, sondern im Nord-West-Turm. Das zweite Tagebuch ist gefälscht, aber das erste, kleinere, ist tatsächlich bei dem Skelett von ihr gefunden worden und ist nur – warum auch immer – sehr gut erhalten geblieben. Vielleicht wollte der Geist von Idilia Dubb, dass es der Nachwelt erhalten bleibt. Am besten ist es, du fragst den Geist auf der Burg Lahneck, falls er dir begegnen sollte.

Quipu

22 thoughts on “Der Geist von Burg Lahneck

  1. Eine schaurig/schöne Geschichte, vielen Dank dafür.

    Ich hatte sie schon im Internet gelesen und sie eigentlich für wahr gehalten
    (Also die Geschichte und nicht den Spuk, was aber nicht heißen soll das ich nicht an Geister glaube).
    Gut, dass die Mysterybande immer so gründlich recherchiert.
    Ich halte es auch für äußerst fraglich, dass so ein Tagebuch 10 Jahre bei Wind und Wetter im leserlichen Zustand übersteht.
    Was mich jetzt interessiert, verzeih falls ich es überlesen habe, ist die Holztreppe am Nord-West-Turm denn tatsächlich in diesem Zeitraum zusammengestürzt?

    LG
    Tina

      1. Danke für deine schnelle Antwort. 🙂

        Jetzt bin ich ein bisschen hin- und her gerissen.
        Die Sache mit dem Tagebuch ist mir sehr suspekt, selbst wenn dieses in einer „Mauerscharte“ gelegen haben soll.

        Auf jeden Fall eine spannende/interessante Geschichte.

  2. Hmm, weiss nicht so recht.
    Rorschach (Watchmen) würde sagen:
    Geschichte extrem unglaubwürdig, wahrscheinlich wahr!

    Aaaber:
    Bevor ich verdurste, würde ich schon ein paar andere Dinge machen.
    Klamotten in Streifen reißen, Feuer, rumschreien.
    Kein anderer Wanderer in der Zeit?
    Nach zehn Jahren erst gefunden?
    Auch ein Rorschach kann sich mal irren.

  3. Die Burg im Titelbild ganz oben ist die Burg Eltz an der Mosel, falls sich jemand wundert. Sehr schönes Ausflugsziel. Man sieht ja an dem zweiten Foto (von der Lahneck) dass es sich dabei nicht um dieselbe handelt.

    Beide Burgen sind ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde von mir entfernt, allerdings war ich bisher nur auf ersterer. Vielleicht sollte ich mein (schottisches) English aufpolieren und mal auf die Lahneck fahren, um den Geist zu interviewen.

    Die Geschichte halte ich zwar für eine reine Erfindung der Rheinromantik, aber vielleicht hat sich aus den vielen verschiedenen Versionen über die Dekaden ja eine Gedankenform (Tulpa oder wie das heißt) gebildet. 🙂

    1. Du hast völlig recht, die Burg vom Titelbild ist nicht die Burg Lahneck. Ich hatte aber nur diese beiden lizenzfreien Fotos.
      Nächstes mal weiß ich ja, wen ich losschicken kann, um mir lizenzfreie Fotos zu machen 🙂

      1. Quipu, ganz im Ernst: es wäre mir eine Ehre. Es ist verdammt selten, jemanden zu finden, der zwar die Fakes und Hoaxer entlarvt, deshalb aber nicht das ganze „grenzwissenschaftliche“ Feld gleich lächerlich macht und jedem, der sich dafür interessiert, den Aluhut verleihen will. So eine saubere und objektive Arbeit würde ich auf jeden Fall unterstützen.

  4. ich stell mir das grad bildlich vor: ich bin da in einem turm eingeschlossen. wollte die burg oder die aussicht der burg malen, die treppe stürtzt ein. (einwurf: dann kauf ich mir im souvenierladen der burg ein tagebuch.) ich bin am verdursten, meine zunge klebt am gaumen an. und ich hab ja nichts besseres zu tun als in dem souvenierladen gekaufen tagebuch genauestens zu beschreiben, wie sich eine am gaumen angeklebte zunge anfühlt…

  5. Sie hätte sich aus ihren Textilien, in Streifen gerissen und gedreht, verzwirbelt und verknotet ein Tau machen, (befestigen?????) und so möglichst viele gewonnene Meter todesmutig ohne zu großen Sturz runter gleiten können . Noch zuvor hätte sie splitternackt, intensiv gestikulierend, deutlich barbrüstig winken können, zusätzlich mit den Textilien fahnenhaft, was zu der Zeit wohl auch schon nachhaltigen Eindruck und Gesprächsstoff hinterlassen hätte zur erwünschten Rettungsreaktion . Doch vielleicht wäre all das sogar MacGyver nicht gelungen und zum Verhängnis geworden und so wenigstens der Nachwelt ein Denkzettel, nicht fremde Eigentumsbereiche, wo man nicht hingehört ohne erhebliche Skrupel und Risikobewußtsein zu betreten . Da sie dies vielleicht aber auch schon hatte, jedoch auch ihren hochpassionierten Talentpioniergeist, fiel dieser den Räten der wartenden und gierig flüsternd einflößenden “Die-Treppe-taugt-doch-gutes Kind-Dämonen“ zu Opfer mit samt seiner Wirtin, Idilia Dubb, die natürlich auch in ihr Gottvertrauen wohl setzte. Der Rückweg, ihr GPS hätte ihn punktual korrekt und konform zum Hinweg angezeigt, aber keine Lösung. Was für eine schlimme Geschichte. Mich interessiert nun auch, den Film zu sehen schleunigst .

  6. Also die Idee mit der Hörversion ist toll. Ich kann mich so richtig schön entspannen, während mir vorgelesen wird…. Und noch dazu eine Geschichte von einem Geisterschloss! Danke

    Und zur Geschichte: Ich stelle es mir ganz furchtbar vor, dort oben zu verdursten. Vielleicht hätte ein Sprung in die Tiefe die ausweglose Situation beendet….. Aber wie dem auch sei, ich denke, wenn es irgendwo spukt, dann an solch einem Ort.

  7. Nun was die Burg Lahneck angeht gibts da auch angeblich noch Geister von Templern die in einem Last Stand dort alle sammt bei einer Belagerung starben als sie dort zuflucht gesucht haben nachdem sie aus Frankreich durch Phillip den „Schönen“ vertrieben worden sind. Es gibt auch eine Sage darüber. Jedenfalls wollen Leute sie dort gesehen habe wie sie Kämpfen oder einfach nur erscheinen auch wollen manche „unerklärliche“ dinge erlebt haben. Wäre vieleicht mal eine Idee dieser Sache auf den Grund zu gehen. Kann mir aber gut vorstellen das das eher so eine Geschichte ist wie die von Idilia Dubb.

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