Der Vampir von England

Die makabre Geschichte einer verschrumpelten, knochendürre Gestalt, die nachts eine junge Frau angriff, deutet darauf hin, dass im Viktorianischen England ein Vampir sein Unwesen trieb.
Mit Ausnahme einiger Vampirlegenden aus dem Mittelalter waren die Britischen Inseln von dieser Plage auffallend verschont geblieben – dass heißt bis zum Jahre 1900, als Augustus Hares Vampirerzählung erstmals veröffentlicht wurde. Viele Autoren haben sie zitiert, aber nur wenige versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen. Allerdings ist die von Hare hinterlassene Spur auch nicht einfach zu verfolgen. Der Vampir von Croglin Grange erscheint im vierten Band von Hares Autobiographie „Die Geschichte meines Lebens“. Dieses Werk ist eine lose Sammlung von Anekdoten, unglaublichen Geschichten und Auszügen aus seinen Tagebüchern. Die Vampirgeschichte stammt offensichtlich von einem Captain Fisher, der berichtete, dass seine Vorfahren einst einen Besitz in Cumberland heute Cumbria – Cropglin Grange – gehabt hätte. Als sie wegzogen, verpachteten sie das Land an zwei Brüder und ihre Schwester. Die Pacht war für sieben Jahre vereinbart. Die drei freundeten sich schnell mit ihren Nachbaren an und verbrachten einen glücklichen ersten Winter in Croglin. In dem folgenden heißen und stickigen Sommer konnte die junge Frau oft nicht einschlafen, lag stundenlang im Bett und starrte aus den vom Mondschein erleuchteten Rasen vor dem Fenster. Eines Nachts bemerkte sie, wie ein Wesen aus dem Schatten hervorsprang und einen Augenblick später an ihrer Fensterscheibe kratzte. Das Fenster war fest verschlossen, doch die Gestalt begann, das Blei der Verstrebungen wegzukratzen. Eine Scheibe löste sich und fiel in das Zimmer. Ein langer, knochiger Finger öffnete den Riegel, und plötzlich stand das Wesen im Zimmer, griff mit seinem verschrumpelten Finger in ihr Haar, zerrte sie zu sich heran und biss in ihre Kehle. Die Schreie alarmierten die Brüder, die den Vampir über den Rasen und die benachbarte Friedhofsmauer jagten. Obwohl die Wunde mit der Zeit verheilte drängte der Arzt auf einen Ortswechsel, und so entschieden sich die drei für einen Urlaub in der Schweiz. Nachdem sich die junge Frau wieder erholt hatte, kehrte das Trio nach Croglion zurück. Der Winter verlief ohne Zwischenfälle. Dann, eines Nachts im März, wurde die Frau wieder von einem Kratzen am Fenster geweckt. Es war dieselbe Gestalt. Dieses Mal kamen die Brüder auf die Schreie hin mit Pistolen bewaffnet. Im Kampf wurde das Wesen am Bein getroffen, trotzdem gelang ihm die Flucht. Die Männer sahen jedoch, wohin es verschwand – in eine alte Familiengruft des Friedhofs. Am folgenden Tag öffneten Bewohner des Dorfes die Gruft und stießen auf zerbrochene Särge mit verstümmelten Leichen. Lediglich ein Sarg war unbeschädigt, man stemmte den Deckel auf, und dort – braun, verschrumpelt, mumifiziert, doch vollständig erhalten – lag die gleiche schreckliche Gestalt, die durch die Fenster von Croglin Grange geschaut hatte; man konnte noch die Schußwunde im Bein erkennen. Sie taten das einzige, was einen Vampir zur Strecke bringen kann; Sie verbrannten ihn. So schloß Augustus Hare seinen Bericht von der Erzählung des Capain Fisher. England hatte seinen ersten echten Vampir, und die Geschichte wurde bald Bestandteil der britischen Spuksammlungen.

 

@Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Croglin_Grange

War das ganze nur eine Geschichte oder hatte sich das ganze so zugetragen wie Hare es berichtetet? Und wenn ja – was war dieses Geschöpf für eine Kreatur. Vielleicht ein Mann der noch Lebte und sich in der Gruft aufhielt und nur scheintot war? Früher wurden Menschen oft beigesetzt von denen man glaubte sie wären tot. Wie Menschen, die im Koma lagen, von denen man ausging das sie ihr Leben abgeschlossen haben. Damals war die Medizin noch nicht so fortgeschritten wie heute. Und daher konnte es durchaus passieren, dass man Menschen Begraben hat, die eigentlich noch am Leben waren. Vielleicht war dieser Fall ja so ein Fall?

@RealMystery

16 Kommentare

  1. Scheintot? Das glaube ich nicht. Wer rennt schon mit einer Schusswunde zurück zu seinem Sarg?
    Für mich klingt das Ganze etwas unglaubwürdig.

    Ich denke, dass er vielleicht einer der ersten Goths war. Da gibt es in der heutigen Zeit schon ziemlich schräge Typen..
    Auch ich bin ein Teil der Szene, ich weiß, wovon ich rede. 🙂

  2. Also, ich denke nicht, dass sich die Geschichte so zugetragen hat. Auch wenn sich einige das Gegenteil wünschen :), sind Vampire wahrscheinlich doch nur fiktive Gruselgestalten. Aber, dass Menschen fälschlicherweise lebendig begraben wurden, hat sicherlich zur Entstehung des Vampirglaubens beigetragen.

    1. Fiktive Gestalten sind Vampire bestimmt nicht.Selbst in uralten Legenden und Überlieferungen werden von Blutsaugenden Wesen gesprochen.Es gibt Theorien die behaupten, daß die „Erde“ eine große Gehege ist, worin Menschen gezüchtet werden, um den Geschlecht der Vampire als Nahrung zu dienen In vielen Berichten werden die Vampire als „Echsen aussehend“ beschrieben. Vielleicht sind die sogenannten Reptiloidi in Wirklichkeit Blutsauger.

  3. Hmm, interessante Story. Wenn es aber jemand gewesen wäre, der lebendig begraben worden wäre, wäre er vermutlich erstens nicht aus dem Sarg und der Gruft herausgekommen, vor allem aber zweitens, warum hätte er später wieder hineingehen sollen? Und warum wartet die Frau in ihrem Zimmer, bis der Besucher das Blei abkratzt, das Fenster eindrückt, zu ihr hineinsteigt und sie beißt. Sie hätte doch schon vorher ihre Brüder alarmieren können. Nee, nee, das hört sich nach ner klassischen Vampirgeschichte an, die einfach nur eine schöne Geschichte ist, mehr nicht. Trotzdem nett.

  4. Yeah eine neuer post von realmystery 🙂

    Also ich persönlich glaube nicht an Vampiren ‍♂️
    Zumindest nicht in dieser Form wie sie in dieser Geschichte erwähnt wird.
    Das mit den falschdiagnosen könnte so etwas erklären aber wieso sollte er dann wieder zurück in seinen Sarg gehen? ⚰️
    Wenn ich fälschlicherweise begraben wäre, wär das der letzte ort andem in zurückkehren würde

  5. Eine interessante Geschichte, vielen Dank dafür! Mir waren weder sie noch der Autor bekannt – endlich mal etwas Neues zum Thema Vampir! Ich hoffe allerdings, dass nicht eine tatsächliche Begebenheit (ein lebendig begrabener Mensch) zur Entstehung dieser Legende geführt hatte.
    Das wäre wirklich schon schlimm genug. Was ich allerdings noch viel unheimlicher und schockierender finde, ist der Satz „Am folgenden Tag öffneten Bewohner des Dorfes die Gruft und stießen auf zerbrochene Särge mit verstümmelten Leichen.“ Ist das nur eine Ausschmückung der Legende, eine damals gerne am Kaminfeuer erzählte Gruselgeschichte oder passierte das tatsächlich irgendwo in England? Fragen über Fragen …
    Hast du noch mehr solcher Geschichten auf Lager? Dann immer her damit, bitte! 🙂

  6. Ich finde solche Berichte immer interessant.
    Aber ich glaube hier nicht an die These, dass er Scheintot war.
    Zumindest habe ich noch nie von einem Fall gehört, bei dem ein Scheintoter kurz aufgewacht ist und sich dann wieder hingelegt hat und weiter Scheintod war und das dann auch noch mehrfach.

  7. typische Vampigeschichte … gruselig spannend … aber eben eine Geschichte . Der Mensch sieht was er sehen will .Ich war nicht dabei also kann ich nicht wirklich beurteilen ob die Geschichte Wahr ist oder nicht .

  8. Ein Mensch, dem ins Bein geschossen wurde, läuft im Regelfall nirgendwo hin.
    Die Realität ist kein Hollywood-Film. Vielleicht war es aber ein Streifschuß oder es war wirklich ein Untoter, dem das nichts ausmacht.
    Dann aber kratzt die Gestalt außen das Blei aus der Fensterfassung und das Glas fällt nach innen?
    Die ganze Zeit schlägt die Schwester kein Alarm oder flieht? Gute Nerven!
    Es spricht viel dafür, daß es sich nur um eine, in damaliger Zeit so beliebte Gruselgeschichte handelt.

  9. Oups, da schaut die Lady zu, wie so ein hässliches Wesen langsam aber sicher in ihr Schlafzimmer kommt? Also, ich wäre nicht neugierig genug, um abzuwarten, was es will. Vielleicht ein durchgeknallter Irrer, der gerne gebissen und zudem zuvor noch Leichen zerstümmelt hat!? Tja und eine Gruft, ruhiger und kostenloser Schlafplatz? Oder eben doch das Cotard Syndrom. Aber interessante Geschichte, danke dafür (Y)

  10. @ Der brennende Hamster Das mit dem Fenster nach innen kam mir auch komisch vor, dann fiel mir aber ein, dass früher Fenster oft aus kleinen Glasstücken bestanden, die mit Bleistreifen innen und außen stabilisiert werden, über die ganze Scheibe verteilt, nicht nur außen wie es bei Fensterkitt ist. So ist es heute noch bei Kirchenfenstern zu sehen. Wenn man dann außen das Blei entfernt, verliert die gesamte Scheibe ihre Stabilität und kann ebenso leicht nach innen wie nach außen fallen, bzw gedrückt werden. Hört sich ansonsten für mich aber auch nur nach einer nicht sehr guten Geschichte an.

  11. Ja ,so ist das …. Wohnungen zu teuer ,Mieten nicht mehr bezahlbar …… was bleibt übrig..? zum Übernachten.? die Friedhofsgruft ….
    und wenn du keine TAFEL hast um dir was zum Essen zu holen …..jeder braucht mal Frischfleisch..
    und wenn du dann meinst schlimmer kann´s nicht mehr kommen , wird du zu „guter“ letzt noch abgefackelt….
    stehen Vampire nicht unter Artenschutz ..? als gefährdete Art ??

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