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Der lächelnde Dämon

15.01.2020 – Hallo und Herzlich willkommen zu meiner ersten gruseligen Geschichte hier auf Mysterybande.de, basierend auf einer doch recht bekannten urbanen Legende aus den USA. Ich dachte mir so, ich schiebe einfach einmal eine urbane Legende zwischen meine Beitragsserie über Elementargeister. Ich hoffe doch, euch wird sowohl diese, als auch weitere später noch folgende Geschichten gefallen. Ich wünsche euch hiermit nun viel Spaß sowie schenke euch zugleich noch allen einen lieben Gruß hinterher. LG Der Wulfi

Stellt euch doch einmal folgendes Szenario vor: Ihr geht des nächtens alleine und in finsterer Dunkelheit spazieren, um nachzudenken und um mal ein bisschen auszuspannen. Nie ist etwas passiert, und ihr fühlt euch in der Nähe eures zu Hauses inmitten einer dicht besiedelten Stadt auch recht sicher. Doch dann kommt es zu einer folgenschweren Begegnung mit einem Wesen jenseits eurer Vorstellungskraft und ganz plötzlich und ohne jede Vorwarnung ist nichts mehr in eurem Leben, so wie es vorher war. So geschehen ist es einer jungen Frau namens Mona, deren Geschichte sie euch aber doch lieber selbst erzählt.

Der lächelnde Dämon aus den Schatten

 

Hi, mein Name ist Mona, Mona Livingstone, und bis vor ungefähr fünf Jahren lebte ich noch in der Innenstadt, einer der großen Städte an der Ostküste der USA. Ich war schon immer ein Nachtmensch, und deshalb langweilte ich mich auch oft, wenn mein Mitbewohner, der damals mit mir dort ein kleines Apartment bewohnte und ganz im Gegensatz zu mir eben kein Nachtmensch war, mal wieder früh zu Bett gegangen ist. Um die Langeweile zu vertreiben, machte ich deshalb auch häufig lange Spaziergänge und verbrachte die so genutzte Zeit gerne mit Nachdenken. So verbrachte ich vier Jahre damit, nachts alleine Spazieren zu gehen, und ich hatte dabei auch kein einziges Mal Grund, Angst zu haben. Ich habe immerzu mit meinem Mitbewohner gescherzt, dass doch sogar die Kriminellen in dieser Stadt ausgesucht höflich wären, um ihn somit zu beruhigen, da er sich doch oft Sorgen um mich machte, weil ich immer alleine und zudem in der Nacht unterwegs war. Zwar bot ich ihm an, das er mich doch auch gerne begleiten könne, wenn er sich denn solch große Sorgen um mich machte, doch dazu kam es nie. Doch all das, sowohl meine Sorglosigkeit als auch meine Furchtlosigkeit vor der Nacht änderte sich in nur wenigen Minuten in einer Nacht vor rund fünf Jahren. Es war ein Mittwoch irgendwann, so zwischen ein und zwei Uhr morgens, und ich ging ein gutes Stück von meiner Wohnung entfernt in der Nähe eines kleinen Parks spazieren.

 

Es war eine sehr ruhige Nacht, sogar für eine Nacht unter der Woche, mit sehr wenig Verkehr und fast niemandem, der zu Fuß unterwegs war. Auch der Park selbst war so wie eigentlich in den meisten Nächten ebenso völlig Menschenleer. Ich bog auf dem Rückweg wie immer eine kurze Seitenstraße ab, um zu meiner Wohnung zurückzukehren, als ich Ihn zum ersten Mal bemerkte. … Am anderen Ende der Straße stand auf meiner Seite die Silhouette eines Mannes, eines Mannes, der tanzte. Es war ein sehr seltsamer Tanz, ähnlich einem Walzer, aber er beendete jeden seiner sogenannten “Tanzschritte“ mit einem äußerst seltsamen Vorwärtsschritt, so theatralisch und befremdlich wie eine Art von gezeichneter Comicfigur, diese man in Daumenkinomanier sich bewegen ließ. Man könnte wohl sagen, er ging etwas unbeholfen tanzend auf mich zu. Als ich so für mich dachte, dass er wahrscheinlich betrunken sei, trat ich so nah wie möglich an die Straße heran, um ihm den größten Teil des Bürgersteigs zu lassen und er somit bequem an mir vorbeikommen konnte, sobald er an mir vorbeikam. Zugegebenermaßen wurde mir die Situation bereits jetzt schon recht unheimlich, und mich überkam sogleich auch ein sehr mulmiges Gefühl.

 

Je näher er mir nun kam, desto mehr wurde mir jetzt auch bewusst, mit welcher Anmut er sich doch bewegte. Nicht wie ein betrunkener, nein, eher wie ein eleganter Tänzer. Er war sehr groß und schlaksig und trug einen alten, etwas ausgeleiert wirkenden Anzug. Er tanzte noch näher an mich heran, bis ich sein Gesicht ganz klar selbst im schwachen Lichterglanz der Straßenlaternen erkennen konnte. Seine Augen waren weit offen und wild, der Kopf leicht nach hinten geneigt, und er schaute dabei wirr hinauf in den Himmel, den Sternen entgegen, ja, es wirkte gar so, als ob er diese verhöhnen wolle. Sein Mund war dabei zu einem schmerzlich verzerrten, sehr breiten Lächeln verformt.

 

Zwischen dem Anblick seiner Augen und seinem Lächeln, aus deren Antlitz ich eine Art von wildem, ja gar purem Irrsinn herauszulesen meinte, beschloss ich nunmehr, die Straße zügig zu überqueren, bevor er noch näher an mich herantanzen konnte. Ich wendete meine Augen daraufhin von ihm ab, um die leere Straße sicher zu überqueren. Als ich die andere Seite der Straße schließlich erreichte, warf ich erst einen Blick über meine Schulter zurück zu ihm … und blieb dann stehen. Ich dachte, das dieser Typ wohl unter Drogeneinfluss stünde und bekam es jetzt doch auch ziemlich mit der Angst zu tun, aber dennoch blieb ich noch immer Ruhig und versuchte so, die Kontrolle über die Situation zu bewahren. Wie ich sah, hatte der Mann jetzt aufgehört zu tanzen und stand mit einem Fuß auf der Straße perfekt parallel zu mir. Er sah mich jetzt zwar direkt an, jedoch blickte er zum Teil gleichwohl noch immer zum Himmel hinauf und lächelte ebenso noch immer breit über sein ganzes Gesicht. Das hatte mich nun vollkommen irritiert, und so langsam spürte ich auch, wie ein tiefes Gefühl von Panik in mir aufkam. Ich fing wieder langsam an zu laufen, während mein Herz nun vor lauter Aufregung anfing, heftig zu klopfen, behielt den Mann dabei aber im Auge. Er rührte sich nicht. Nachdem ich ungefähr einen halben Block zwischen uns gesetzt hatte, drehte ich mich für einen Moment von ihm weg, um den Bürgersteig vor mir zu beobachten.

 

Die Straße und der Bürgersteig vor mir waren völlig leer. Immer noch ängstlich und gleichwohl beunruhigt, schaute ich nochmal zurück zu seiner Position, nur um ihn nunmehr verschwunden vorzufinden. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich jetzt erleichtert, bis ich ihn jedoch plötzlich erneut bemerkte.

 

Er hatte die Straße ebenfalls überquert und war jetzt ein wenig in die Hocke gegangen. Ich konnte es aufgrund der Entfernung und der Schatten nicht genau sagen, aber ich war mir dennoch sicher, dass er mich direkt ansah. Ich hatte nicht länger als nur zehn Sekunden von ihm weggesehen, sodass klar war, dass er sich wohl sehr schnell bewegt haben musste. Ich war so geschockt, dass ich einige Zeit  wie erstarrt dort stand und ihn einfach nur anstarrte. Und dann ging er wieder langsam auf mich zu. Er machte riesige übertrieben große Schritte auf seinen Zehenspitzen, und erneut wirkte es so, als wäre er eine Zeichentrickfigur nur dieses Mal wie eine, die sich an jemanden heranschleichen wollte. Nur dass er sich eben sehr, sehr schnell dabei bewegte. Ich wollte an dieser Stelle gerne behaupten, dass ich weggelaufen wäre oder mein Pfefferspray aus der Tasche oder wenigstens mein Handy gezogen hätte, um die Polizei zu rufen, aber ich habe es nicht getan. Weiß der Teufel warum, aber ich konnte es einfach nicht. Ich stand einfach nur da, völlig erstarrt, ja fast wie hypnotisiert, als der lächelnde Mann sich währenddessen nun sehr langsam und ruhig auf mich zubewegte. Und dann hielt er wieder an, ungefähr eine Autolänge von mir entfernt. Immer noch lächelnd und sein finsteres wie gleichsam irres Lächeln dabei immer noch hinauf empor, zum Himmel gerichtet.

 

Als ich dann doch endlich zu meiner Stimme fand, fasste ich allen meinen Mut zusammen, und es platzte sogleich auch das erste aus mir heraus, was mir gerade so einfiel: „Was willst du von mir?!“

 

Brüllte ich ihn jetzt harsch und in einem wütenden, ja gar befehlenden Tonfall an in der Erwartung einer klaren Antwort von ihm. Was dabei herauskam, war aber lediglich ein Wimmerndes ja beinahe schon erbärmlich erklingendes: „Waaas …?“ Seine Antwort klang unmenschlich und wie von einem Wesen aus einer anderen Welt kommend. Sein Kopf drehte sich daraufhin auf seinem Hals im Kreise, während sein Gesicht dabei zugleich an Ort und Stelle verblieb und sich zu einer schaurigen, finsteren Grimasse verzerrte, die mich dabei weiterhin grinsend anstarrte. Mir wurde eiskalt, und beinahe wären mir meine Beine unter mir weggesackt. Ich fühlte nur noch pure Todesangst. Mir Schoß nun ein Gedanke in meinen Kopf, der schauriger und unwirklicher nicht hätte sein können … das, was du da siehst, ist kein Mensch Mona! Seine Gestalt löste sich nun in einer Wolke aus blutrotem Dampf auf, und diese Wolke kam daraufhin sogleich auch direkt auf mich zu geflogen. Erneut wollte ich weglaufen oder mich zumindest wehren, aber wiederum war ich wie erstarrt und konnte mich erneut nicht einen Millimeter von der Stelle bewegen.

 

Egal, wie sehr ich es auch versuchte, es ging einfach nicht. Panisch überlegte ich mir, was ich denn nur tun könnte, während meine Angst derweil mein Herz beinahe zum Stillstand gebracht hätte, so sehr schmerzte mir nun meine Brust, und die Angst schnürte mir zugleich meine Kehle zu, sodass mir beinahe die kostbare Luft zum Atmen wegblieb. Er wiederum schwebte aber nur so vor mir herum und lächelte mich mit seiner finsteren Fratze an, währenddessen er dabei in einem scheinbaren Anfall des totalen Irrsinns lachte und sein Gelächter dabei wie ein Echo aus der Hölle aus allen Richtungen auf meine Ohren einprasselte. Meine Ohren schmerzten mir fürchterlich, und sein Gelächter wurde zugleich immer lauter so Laut, das ich dachte, meine Trommelfelle würden mir gleich platzen. Und dann, nachdem es sich für mich schon so angefühlt hatte, als ob ich jeden Augenblick sterben müsste, drehte er sich plötzlich noch immer in Form der Wolke in einem Wirbel einmal um sich selbst herum und verwandelte sich danach kurzerhand wieder in den lächelnden Mann von zuvor zurück. Kurz sah er mich nochmal an und drehte sich dann im folgenden sehr langsam um, fing wieder an zu tanzen, nur um dann langsamen Schrittes scheinbar auf und davonzulaufen. Ich wollte ihm nicht wieder den Rücken kehren und sah ihm noch immer in Todesangst gefangen nach, bis er weit genug entfernt war, um beinahe außer Sichtweite zu sein.

 

Und dann, plötzlich wurde mir etwas klar. Er bewegte sich nicht mehr weg und tanzte auch nicht mehr. Im Gegenteil musste ich nun mit entsetzten sehen, wie seine zuvor noch weit entfernt scheinende Gestalt nunmehr immer größer wurde. Er kam zurück auf meinen Weg. Und diesmal rannte er ja, er rannte mit riesigen Schritten direkt auf mich zu, und er wollte mich jagen.

 

Und ich rannte auch. Ich rannte nun in Todesangst vor ihm weg und um mein nacktes Leben, bis ich von der Seitenstraße abkam und auf eine deutlich besser beleuchtete Straße mit wenigstens ein wenig Verkehr sowie einigen Passanten zurückkehrte. Sodann auch noch eine Polizeistreife auf der Straße auftauchte, sah ich dann schließlich hinter mich, um zu sehen, ob er denn noch immer hinter mir war, doch er war plötzlich nirgends mehr zu finden. Den Rest des Heimwegs schaute ich immer und immer wieder über meine Schulter und erwartete immerzu, gleich irgendwo wieder sein dummes, widerliches Lächeln zu sehen, aber er war nicht mehr da. Nach dieser Nacht habe ich noch ein halbes Jahr in dieser Stadt gelebt und bin auch nie wieder spazieren gegangen, weder am Tage und schon gar nicht mehr in der Nacht. Ich hatte auch bis heute niemandem von dieser Sache erzählt oder mich gar jemandem Anvertraut, aus Angst, doch nur als verrückt bezeichnet zu werden. Das, was mir in jener Nacht passierte, lässt mich aber bis heute noch nicht los und wird mich vermutlich auch noch mein ganzes restliches Leben lang verfolgen. Denn das, was mir in jener Nacht begegnete, war kein Mensch, nein, es war ein Monster, ein Dämon in anfänglich menschlicher Gestalt.

 

Ich weiß nicht, ob es mich wirklich töten wollte oder einfach nur zu Tode erschrecken das einzige, was ich mit Gewissheit sagen kann, ist, das sich mein Bild von der Welt seit damals von Grund herauf verändert hat.

8 thoughts on “Der lächelnde Dämon

    1. Vielen Dank Mythenlauscher! 🙂 Freut mich sehr, das dir die Geschichte gefallen hat. Das war mal ein Schnellschuss von mir, und bei den nächsten beiden lege ich mich nochmal mehr ins Zeug. 😉

      LG Wulfi

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