Site Overlay

Caorthannach die keltische Feuerdämonin.

01.01.2020 – Vampire, Seelendiebe, kopflose Reiter, finstere Legendengestalten aller Art. Jawohl, all das und auch noch viel mehr findet sich in der keltischen Welt der Mythen, Märchen, Sagen und Legenden. In diesem Beitrag behandle ich jedoch eine der wohl erschreckendsten und böswilligsten Kreaturen, die es wohl in der keltisch/irischen Mythologie nur zu finden gibt. Kurz gesagt handelt es sich bei ihr um die Mutter des Teufels höchst persönlich, genauer um Caorthannach, der keltisch/irischen Dämonin des Feuers. Und damit Hallo und Herzlich willkommen zu meinem ersten neuen Beitrag im neuen Jahr. Ich dachte, nach einer langen Nacht des Feuers passt dieser Beitrag doch hervorragend.

Caorthannach die keltisch/irische Feuerdämonin.

 

 

Wir alle kennen sie (oder haben sie sogar persönlich erlebt?) die sogenannten Helikopter Mütter. Mütter, die ihre Kinder über alle maßen hinweg behüten und beschützen wollen. Vielleicht auch eine Mutter, diese sogar ein bisschen zur überbordenden Überheblichkeit neigt? Gar enorm herrisch ist von Natur? Sogar die Weltliteratur und die Filmindustrie Hollywoods haben diese manchmal prekäre, heikle sowie auch äußerst komplizierte Mutter-Kind-Beziehung für ihre eigenen Zwecke benutzt und sie in Geschichten über einige der schrecklichsten und Alptraum artigsten Mütter verwandelt, die je den Menschen bekannt waren. So zum Beispiel: Joan Crawford in Mommy Dearest, Margaret White in Carrie, Königin Gertrude von Hamlet, Euripides, ‚Medea, Königin Cersei Lannister aus Game of Thrones und vergessen wir nicht Norman Bates‘ liebe, süße Mutter in Psycho. Wie sagte Oscar Wilde schon einstmals:

 

Alle Frauen werden wie ihre Mütter. Das ist ihre Tragödie. Kein Mann. Das ist seine.“

 

Fürwahr, wie recht er doch damit hatte.

 

Aber ganz Unabhängig davon, ob es sich nun um ein Schauspielstück aus Hollywood, eine überdramatisierte Kreation oder gar um ein echtes Exemplar dieser Frauen handelt, so kann man doch mit Sicherheit sagen, dass eine Mutter-Kind-Beziehung häufig sehr komplex ist. Aber keine Mutter, egal wie höllisch oder hetzerisch, kann sich mit Caorthannach (ausgesprochen: queer-hawn-nock) messen, der keltischen Feuerdämonin, die angeblich die Mutter des Teufels höchstpersönlich sein soll.

 

Die Erzählung beginnt wie folgt:

 

Einstmals, als der Planet Erde nichts weiter als nur eine kleine wirbelnde Masse aus wabernden Dämpfen, Wasser sowie verflüssigtem Gestein war, ist Caorthannach einst aus den tiefen des Weltalls zu uns gekommen und kurz darauf tief in den geschmolzenen Kern der noch jungen und unschuldigen Erde hineingeschlüpft. Dort wartete sie dann. Aber worauf nur, hat sie denn bloß gewartet, werdet ihr euch jetzt fragen? Nun, da sie laut der Erzählung immerhin die Mutter des Teufels ist, ist sie auch keine sehr nette Kreatur, diese finstere Feuerdämonin. Also wartete sie auf uns. Uns Menschen! Beute für ihre dämonischen Kinder und insbesondere für ihren künftigen Sohn, den Teufel. Richtig, sie und ihre Kinder haben auf uns Menschen gewartet … und Wow, was hatte Caorthannachs Familie wohl nur für einen riesigen Spaß mit uns, als wir später dann hier auf der Erde ankamen!

Persönliches Wunschbild von Caorthannach, geboren aus der überbordenden Fantasie des Autors.

 

Aber für die berühmteste aller Geschichten über Caorthannach schreiten wir nun zwei entschlossene Schritte vor, bis hin zum 5. Jahrhundert, v. Chr.

 

Irland wurde wahrscheinlich so um 10.000 vor Christus zum ersten Mal überhaupt von Menschen besiedelt. Es war kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit, und diese Völker, die auf der irischen Insel daraufhin Einzug hielten, werden auch als die“Tuatha de Danaan“ oder auch die „Firbolgs“ bezeichnet. Viel mehr weiß man aber bis heute nicht über sie. Aber so ungefähr ab dem vierten Jahrhundert vor Christus besiedelten dann schließlich keltische Einwanderer aus dem Volk der Gälen von Nordfrankreich aus die Insel und vertrieben oder töteten diese ersten primitiven Ureinwohner. Obgleich es auch Theorien gibt, die von einer weitgehenden Vermischung der Ureinwohner mit den Kelten ausgeht.

 

Viele kleinere Königreiche gründeten sich bald darauf und schlossen sich später dann zu fünf großen Herrschaftsgebieten zusammen:

Ulster, Connacht, Leinster des Nordens, (oder Meath) Leinster des Südens und Munster. Die von allen Reichen anerkannte Hauptstadt der Insel war Tara im (County Meath).

Die ersten Eroberer:

 

Irland wurde im Gegensatz zu England niemals von den Römern erobert. Bis tief in das 5. Jahrhundert nach Christus hinein, blieb die Insel deshalb auch weitestgehend sich selbst überlassen. Doch dann wurden die Iren im folgenden vornehmlich durch den Missionar Patrick christianisiert, und die Insel erlebte daraufhin bald einen großen religiösen sowie auch kulturellen Aufschwung, der bis heute seinesgleichen sucht. Ja, das Land erlebte fürwahr eine große Blütezeit damals. Der schroffe und kalte Inselfelsen Irlands war erst vor kurzem aus der finsteren vorgeschichtlichen Zeit (100-300 v. Chr.) hervorgekommen, und das Leben war für die Bewohner jener Insel immer noch hart und grausam wie eh und je.

 

Die zerstreuten und widerspenstigen Stämme dieser Zeit waren nicht nur Gefangene von Hunger und Krankheit, sondern auch von der allgegenwärtigen Angst. Einer Angst, die aus einem regelrechten Ansturm von Mythen und magischen Wesen herrührte, die sie hinter jeder Ecke sowie in jedem Schattenwurf vermuteten. Bei jeder plötzlich auftretenden Krankheit dachten sie, finstere Dämonen seien am Werke, und der Tod höchstpersönlich würde durch die Straßen wandeln, um sie zu holen. Zu diesem Zeitpunkt waren Caorthannach und ihre Dämonenkinder der irischen Schöpfungslegende nach bereits seit Jahrtausenden ungehemmt über die wehrlosen Menschen immer und immer wieder hergefallen und hätten ihre Seelen geerntet.

 

(Und kurz gesagt, die Leute hatten die Nase mittlerweile gestrichen, voll von ihr.)

 

Inmitten dieser wilden und ungeordneten Szenerie aus Aberglauben und steter Kriege sowie der ungehemmten Pein aus Hunger, Not und Elend trat schließlich ein Mann auf, ein Mann, der nicht nur Irland, sondern auch das ganze Gesicht des Christentums selbst bis in alle Welt hinaus verändern sollte. Ein Mann der 385 n. Chr. Als Patricius begann und fast 100 Jahre später als Sankt. Patrick, der große Schutzpatron von Irland, in der gesamten christianisierten Welt zur Legende wurde. Als er starb, starb mit ihm auch ein großes Stück des irischen Herzens und auch seiner immergrünen Seele. Patrick hatte in seinen ersten 50. Lebensjahren ein recht turbulentes Leben. Der Sohn einer römischen Adelsfamilie aus Wales wurde im zarten Alter von nur 16 Jahren, von keltischen Piraten gefangengenommen und als Sklave verkauft. Von seinem Druiden-Priestermeister wurde er wie ein Tier gehalten und genauso auch behandelt. Der Erzählung nach erhielt er später von Gott höchst selbst Visionen, die ihn anwiesen, Irland vor dem Heidentum zu retten, indem er die heidnische Nation aus Barbaren zum Christentum konvertieren solle. Er floh daraufhin nach 6 Jahren aus der Sklaverei nach Frankreich, studierte dort das Priestertum und wurde von Papst Sankt Celestine I. später als Bischof der Iren geweiht und schließlich von diesem nach Irland geschickt, um seine göttliche Vision sowie seine Mission zur Rettung des irischen Volkes zu erfüllen. Und er hat sie gerettet, … gerettet vor den unzähligen Dämonen, Flüchen und Monstern, die versuchten, den Geist seines Volkes zu brechen und seine gute Arbeit somit zu vereiteln.

Der Kampf um Irland Caorthannach vs. St. Patrick.

 

 

Einige Jahre nach seiner Rückkehr nach Irland hatte Patrick schließlich genug von Caorthannach, den dämonischen Kindern sowie deren finsteren Umtrieben, (von denen viele die biblische Form von Schlangen, manche sagen aber auch Drachen annahmen. Drachen finde ich cooler!) Patrick betete um Führung und Unterstützung durch Gott, um seine geliebte Insel Erin von ihrem qualvollen Schicksal voller Leid und Pein zu befreien. Dann, eines Tages, erschien ihm Jesus in einer Vision und erzählte ihm von einer bestimmten Höhle, tief verborgen in den dunklen, finsteren, Tiefen des Lough Derg auf Station Island, wo nicht nur Caorthannach wohnte, sondern sich auch ein Portal zur Hölle befinden sollte. Wenn er Caorthannach finden, zum Kampfe stellen und vernichten könne, so sprach Jesus zu ihm, so könnte Patrick sein Volk auch ein für alle Mal von ihrer Pestilenz befreien.

 

Patrick wusste nun, was er zu tun hatte und stieg, mutig sowie geleitet von Jesus, einen steilen Hang hinauf bis hoch zum Gipfel des Ox Mountain (heute Croagh Patrick) in der Grafschaft Mayo, an der Küste des dunklen Atlantiks gelegen. Dort hob er sein heiliges Kreuz hoch empor in die Luft und verbannte so alle Schlangen aus Irland, indem er alle Gnade und Kraft zusammenrief, die Gott ihm nur gewähren wollte. Sie wurden allesamt von einem ungeheuren Wirbelsturm erfasst, von Dublin nach Galway und von Antrim nach Cork, der sie alle aufs Meer hinauswarf, um sie dort in den trüben Tiefen der wilden See zu ertränken, auf das sie ja niemals mehr zurückzukehren sollen.

 

Aber sie wussten natürlich, dass die alte Caorthannach kämpfen würde, ja, das sie bis zu ihrem allerletzten Atemzug, ihr Nest sowie ihre heißgeliebten Kinder darin verteidigen würde. Und sie tat es auch! Sie tat es mit großer Leidenschaft und wildestem Kampfeswillen. Sie war zwar im wilden, tosenden Wirbelwind gefangen, kämpfte sich aber mit all ihrer furiosen Höllenkraft wieder frei und fiel daraufhin auf der Spitze des Gipfels direkt vor unserem Patrick zu Boden hernieder. Beide kämpften sie dort zwei Tage und zwei Nächte lang ununterbrochen durch auf diesem Berg. Es donnerte der Himmel, von Blitzen durchzogen, die durch die finsteren Wolken hindurch brachen, und es tat mächtige Explosionen, noch mehr Blitze sowie Feuerwirbel gar so gewaltig von Natur, das sie den Berg in einen Sturm aus Rauch und Feuer einhüllten und drohten, diesen dabei regelrecht in Stücke zu zerreißen.

 

Schließlich jedoch wohl aus Angst, sie könnte doch geschlagen werden, rutschte Caorthannach den seitlich gelegenen Rand der Klippe hinunter und machte sich so auf den Weg zu einem taktischen Rückzug von Lough Derg. Patrick daraufhin sattelte nun sein Pferd, um ihr mit diesem entschlossen Hinterher zu reiten und sie zu Jagen, so das ihr der heiße Atem des Pferdes hart in den Nacken blies. Als sie sich zurückzog, wusste diese kluge Schlange, dass die Jagd Patrick wohl sehr durstig machen würde, und sie sorgte so dafür, dass sie ihr giftiges Feuer in jeden Brunnen auf ihrem Weg spuckte und das Wasser darin somit vergiftete. Und Patrick? Der wurde zwar sehr durstig, aber er wusste auch, dass er weitermachen musste. Er schaffte es, schneller zu werden, durch hohes Grasland zu reiten und Caorthannach heimlich zu überholen, um ihr so den Weg abzuschneiden, bevor sie den See im Tal erreichen konnte. Als er schließlich die Stadt Tullaghan in der Grafschaft Leitrim erreichte, befürchtete Patrick, sein Durst könnte ihn gar verdursten lassen und somit töten, noch bevor er seine große Mission beenden könnte. Er senkte deshalb seinen Kopf, faltete seine Hände und betete zu Gott um einen Schluck kühles, sauberes Wasser. Als das Gebet seine trockenen Lippen verließ, stolperte sein Pferd plötzlich über einen groben Felsen im Gelände, und Patrick wurde dadurch herab zu Boden geworfen.

 

Als Antwort auf sein Gebet leuchtete nun ein in der Nähe gelegener Brunnen in weißlich hellem Lichte gehüllt auf, und Patrick trank daraufhin aus diesem Brunnen gefüllt mit gesegnetem Wasser. Ja, in tiefstem vertrauen an Jesus und Gott trank er dieses Wasser, das darin befindlich ward nunmehr voller Dankbarkeit aus. Nachdem er sich satt getrunken und somit gestärkt hatte, ritt Patrick sogleich eiligst weiter und ritt wieder geschwind zurück in Richtung von Lough Derg, um dort auf Caorthannach zu warten, diese, nach dem sie ihre Kräfte wieder gesammelt hatte, wohl wieder zu ihrem Nest zurückkehren wollte. Als die Bestie schließlich ankam und dachte, sie hätte wohl ihren Verfolger überlistet, betrat sie schließlich das Ufer des Sees, um selbst etwas zu trinken. Dann plötzlich aber sprang Patrick, so heißt es überraschend hinter einem großen Felsen hervor. Einige sagen sogar, Patrick sei auf die Schlange aufgesprungen, und beide seien danach kämpfend und ringend in die kalte, schattige Dunkelheit herabgesunken und wären dort unten in heftige Kämpfe verwickelt gewesen, bis er schließlich von Caorthannach völlig verschluckt wurde.

 

Mit seinem Crosier (Hirtenstab) riss er sich der Erzählung nach, dann von innen heraus ein riesiges Loch durch ihren Bauch als Ausgang frei wie gleichsam, um ihr giftiges Blut ins Wasser des Sees zu ergießen. Was dem See später schließlich seinen heutigen Namen – Lough Derg (Dunkler See) gab. Andere sagen, Patrick sei nicht in den See gegangen, Stattdessen stellte er sich ans Ufer und verbannte sie mit nur einem einzigen machtvollen und heiligen Worte Gottes für immer in die tiefen der Unterwasserhöhle. Die Kraft ward gar so groß und so gewaltig, dass Caorthannachs Körper von oben nach unten weit Wund aufgerissen und so ins Wasser hineingeschleudert wurde, sodass eine mächtige Flutwelle dabei entstand, die das gesamte umliegende Land für ein Jahrzehnt lang überflutete.

 

Aber wie auch immer es in den Legenden geschrieben steht und wo oder auch, wie immer man sich die Geschichte auch erzählen mochte, Patrick … Saint Patrick … hatte gesiegt, und die scheußliche Feuerdämonin, die Urmutter aller Dämonen überhaupt sowie des Teufels höchstselbst Caorthannach, wurde seit diesem Tage nimmermehr auf der Insel Erin gesehen.

 

Der Legende nach ist Caorthannach aber weder tot noch verbannt … nein, sondern sie wartet einfach, lauert und wartet still und geduldig auf ihre Wiederauferstehung am Tage des jüngsten Gerichts, um ihre finstere, gar fürchterliche Dämonenbrut auf das neuerliche wieder auf die Menschheit loszulassen. Immerhin aber wartet sie geduldig und wartet sie ruhig. Ihr dämonischer Samenlaich indes durchstreift aber immer noch die irdischen Gefilde in der einen oder anderen Form. Und ihr Sohn? … Tja, ihr Sohn hat leider ebenso nach wie vor seinen fürstlichen Sitz in der Unterwelt inne, wie schon immer seit Anbeginn der Zeit. Aber vielleicht wird sie es eines Tages auch einfach nur noch Leid sein, dort unten in den finsteren Tiefen dieses kalten, dunklen Gewässers auszuharren, um dort still vor sich hin zu warten. Vielleicht wird sie uns allen ja schon bald wieder einen netten Überraschungsbesuch abstatten? Vielleicht sogar schon in diesem neuen Jahr? Wer weiß das schon? Ich vermute nämlich sehr stark, sie wird nicht gerade ein glückliches Leben führen da unten, … und ihr wisst doch alle, wie das Sprichwort lautet:

 

„Wenn die Mama nicht glücklich ist, ist auch niemand sonst glücklich gleichwohl ob im Himmel oder auf der Erde, schon gar nicht, aber in der Hölle.“

 

So, ich hoffe doch sehr, euch hat dieser Beitrag gefallen? Das war jetzt jedenfalls Teil drei meiner Serie über elementare Wesen. Ich habe mir bei diesem Beitrag mehr Mühe gegeben, ihn für euch doch möglichst unterhaltsam zu gestalten. Bis zu meinem nächsten Beitrag wünsche ich euch allen in der Community jedenfalls noch ein gutes neues Jahr sowie einen guten und gelungen Rutsch hinein ins Jahr 2020. Vielleicht ist es ja unser letztes Jahr auf Erden? Oder doch nur eines von noch sehr vielen weiteren? Wer weiß das schon?

 

LG Wulfi

8 thoughts on “Caorthannach die keltische Feuerdämonin.

Schreibe einen Kommentar