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Rusalka – Die slawische „Meerjungfrau“

Rusalka – Die slawische „Meerjungfrau“

(13.12.2019) Hallo und Herzlich willkommen zu meinem neuen Beitrag hier auf Mysterybande.de. Nach Yuki-Onna mit viel Schnee und Eis nun also die slawischen Wassergeister namens Rusalka, die somit den zweiten Teil meiner aus 5 Teilen bestehenden Elementen Serie bilden. Demnächst folgen noch Luft, Erde und Feuer. Ich hoffe doch, euch gefällt diese Serie, und wenn ja, dann schreibt mir das, wenn ihr wollt doch gerne unten in die Kommentare. Vielen Dank und nun viel Spaß beim Lesen!

Rusalka, so werden in der ostslawischen Mythologie Wassernymphen genannt, diese in der Gestalt einer wunderschönen jungen Frau erscheinen sollen. Es gibt hierbei sogar sehr viele recht offensichtliche Gemeinsamkeiten zwischen den Rusalki aus Osteuropa und den Meerjungfrauen aus der keltischen Welt der Mythen und Sagen. Beide sind wunderschön, geben sich sexuell äußerst freizügig und können gelegentlich auch recht gefährlich werden. Sie stammen ebenso beide von den jeweiligen Göttinnen der Fruchtbarkeit jener Kulturen ab und behielten dabei auch einige jener Eigenschaften bei, die diese Göttinnen auszeichneten. Im Gegensatz zu Meerjungfrauen haben Rusalki jedoch Beine und können entsprechend an Land gehen und sich dort somit frei sowie auch weitgehend unerkannt unter den Menschen bewegen. Die Rusalki leben zumeist in Flüssen oder Seen, im Gegensatz zu den natürlich wesentlich bekannteren Meerjungfrauen, diese ja bekanntermaßen im Meer leben sollen. So kommen sie einige Male im Jahr heraus aus ihrem feuchten Lebensraum, um zu feiern, zu tanzen und durch die nahegelegenen Wälder zu spazieren, um sich dort zu paaren. Hierbei besonders gerne im Sommer. In der Antike wurden sie sogar unter anderem über Symbole der Fruchtbarkeit in diversen Riten und Kulten verehrt. Niemals aber wurden diese Nymphen in der Antike oder auch in späteren Zeitaltern irgendwie als aggressiv oder gar als bösartig dargestellt. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts sollte sich das ändern.

In dieser Zeit wurden die Rusalka schon bald als böse weibliche Dämonen oder auch Wassergeister dargestellt, die in der Gestalt zur Hälfte Fisch, Schlange oder gerne auch Reptil junge unschuldige Männer verführten und zu ihrem Nachteil nahmen. Zumindest nach jenen Erzählungen solle der Akt im folgenden, zumeist in einem sehr grausamen Tod dieser meistens noch jungfräulichen jungen Männer geendet haben.

Ich werde versuchen, diese Entwicklung weiter unten näher zu erklären.

Es gibt den Erzählungen nach viele verschiedene Arten, wie eine Frau zu einer Rusalka werden könnte. Rusalka sind immer Frauen, normalerweise Jungfrauen, die vor ihrer Zeit (Also in sehr jungen Jahren) in der Nähe von Wasser gestorben waren. Sie würden zu Rusalki werden, entweder weil sie zu ihren Lebzeiten unreine Seelen waren oder weil diese Frauen gewaltsam zu Tode gekommen sind und sich deshalb an ihrem Mörder rächen wollen. Wenn das allerdings nicht funktionieren sollte, so doch zumindest an irgendeinem anderen Mann. Unreine Seelen können zum Beispiel nicht getaufte Babys oder Kleinkinder, uneheliche (und von ihren Müttern ertränkte) Babys, Kleinkinder oder auch Selbstmordopfer sein. Seelen, die einen gewaltsamen Tod erlitten haben, könnten zum Beispiel diejenigen sein, jene ermordet wurden oder Selbstmord begangen hatten, und diese Tode hatte normalerweise auch etwas damit zu tun, dass die Frau von ihrem Geliebten zuvor betrogen und oder auch hintergangen wurde. Auch geschändete, sprich vergewaltigte Frauen standen damals im Verdacht, sich nach ihrem Tode in Rusalki zu verwandeln.

Nach ihrem Tode verbleibt ihre Seele dann somit in jenem Gewässer, in dem sie auch gestorben sind, und lauern darin oder in dessen Nähe auf ein männliches Opfer, so lange, bis sie ihren Tod rächen und sie sich dann endlich zu ihrer letzten Ruhe begeben können.

(Unreine weibliche Geister müssen den Erzählungen nach normalerweise erst eine bestimmte Zeit auf der Erde durchleben, bevor sie sich zur endgültigen Ruhe begeben können.)

Eine andere, nicht gerade geringe Anzahl von Mythen rund um die Rusalka behauptet gar, die Rusalka seien eine Art von Wassernymphen, diese ausschließlich alleine dazu bestimmt seien, einen sogenannten Wodanoj zu heiraten.

Die Wodanoj sind männliche Wassergeister aus der slawischen Mythologie, die in sehr großen Schlössern unter Wasser leben sollen und ihre Form und Gestalt angeblich nach Belieben wandeln können. Die Rusalki kommen hierfür den Legenden nach oft aus dem Wasser, klettern auf einen Baum oder sitzen auf einem Steg und singen oder kämmen sich dabei die Haare. Manchmal sollen sie sich aber auch zusammenschließen und tanzend sowie singend im Kreise auf einem Feld gemeinsam ihre Zeit verbringen. Eine Rusalka solle entweder grünes oder goldenes Haar haben, das immer nass bliebe, denn wenn es austrocknete, so heißt es, so würde sie in Bälde sterben. Dies sei unter anderem auch der Grund dafür, warum sie nicht viel Zeit an Land verbringen könnte. Das Haar ist manchmal grün wegen der Algen, denen sie lange Zeit ausgesetzt war, und ihre blasse Haut könne manchmal ebenso leicht grünlich schimmern aus demselben Grunde.

Vodyanoy von Iwan Jakowlewitsch Bilibin (1934)

Die Rusalki werden entweder als bösartig oder sehr sanft und verspielt dargestellt, normalerweise abhängig davon, woher sie kommen und durch, welches Schicksal sie zur Rusalka wurden. Menschen aus verschiedenen Gegenden haben den Rusalki auch unterschiedliche charakteristische Merkmale zugeteilt. Beispielsweise werden sie rund um die Donauregion, wo sie auch gerne die ,,slawischen Nymphen‘‘ genannt werden, als sanfte, hübsche Mädchen gehüllt in einen zarten hauch von Nebel beschrieben, die bezaubernde Lieder zu den Menschen singen, die den Nymphen dort begegnen. Die Rusalki in Nordrussland galten jedoch als sehr ungepflegt, ja gar völlig abscheulich, und sie würden es auch in keiner Weise versäumen, Menschen zu überfallen und zu töten, sofern sich ihnen nur die Gelegenheit dazu ergebe.

Die Rusalki werden auch von Land zu Land sehr unterschiedlich beschrieben:

In der Ukraine beispielsweise waren sie dem Wasser sehr verbunden, im angrenzenden Weißrussland jedoch mit dem Wald und dem Feld. Der Grund dafür ist, dass die Menschen einfach im Allgemeinen nicht viel zwischen verschiedenen mythologischen Wesen unterschieden und sie so sehr oft als allgemein „schädliche, unheimliche, gar mächtige Geister“ zusammen unter einen Hut steckten. Seit dem 19. Jahrhundert wurde in den meisten Geschichten berichtet, dass die Seele einer jungen Frau, die im oder in der Nähe eines Flusses oder eines Sees gestorben war, zurückkehren würde, um diese Wasserquelle dann als Geist zu bewohnen. Diese untote Rusalka wäre nicht immer böswillig und würde in Frieden sterben dürfen, wenn denn nur ihr Tod gerächt würde oder ihr im Nachhinein noch die letzte Ehre zuteilwerden sollte, jene ihr zuvor verweigert blieb. Ihr eigentlicher Daseinszweck sei es jedoch, junge Männer zu verlocken und sie entweder durch ihr Aussehen oder durch ihre Stimme in diese besagten Wasserquellen zu locken, dort dann zu verführen, nur um sie dann anschließend zu ertränken.

Dazu verwickele und verstricke sie ihre Füße mit ihren langen Haaren und tauche sie so dann tief unter Wasser. Ihr Körper würde sofort sehr rutschig werden, ihre Haut gar Glatt wie ein Aal und es dem Opfer daraufhin nicht mehr erlauben, sich an ihrem Körper festzuhalten, um so an die Oberfläche zurückzugelangen. Sie wartete dann, bis das Opfer ertrunken war oder kitzelte ihre Opfer gelegentlich auch zu Tode, während sie dabei in irrer Euphorie und Verzückung lachte. Es wird auch von einigen berichteten Quellen her angenommen, dass die Rusalki ihr Aussehen ebenso wie die Wodanoj ändern können, um den unterschiedlichen Geschmack der Männer zu bedienen, die sie verführen wollen. Obgleich die Rusalka im Allgemeinen doch als sehr zauberhafte weibliche Wesen von gar universeller Schönheit angesehen werden und daher in der slawischen Kultur gleichsam sehr gefürchtet, wie selbig auch äußerst geachtet wurden.

Zu erwähnen ist an dieser Stelle noch die so genannte Rusalka-Woche: Die Rusalka-Woche ist eine Woche am Anfang des Monats Juni, in der die Rusalki als am gefährlichsten gelten sollen.

Zu dieser Zeit verlassen sie angeblich das Wasser und schwingen sich des nächtens entlang der Äste von Birken und Weiden. Sie tanzen im Kreise, und jeder Mensch, der ihnen dabei begegnet, muss sich ihnen dann zwanghaft anschließen und mittanzen so lange, bis er oder sie letztlich sterben. Während dieser Zeit war zum Beispiel das Schwimmen in früheren Zeiten gar verboten, da die Gefahr besteht, dass eine Rusalka Menschen ins Wasser zieht und sie dort ertränkt. Ein gemeinsames Merkmal der Feier der sogenannten Rusal’naia-Woche ist hierbei das rituelle Verbannen oder das rituelle Begräbnis der Rusalka am Ende der Woche. Diese Praxis wurde erst seit den frühen 1930er Jahren in Russland als eine Art von spätheidnischem Volksfest beobachtet, bis sie schließlich von den sowjetischen Machthabern später als antisozialistischer und konterrevolutionärer Kult verboten wurde. Zuvor wurde dieses Fest vermutlich schon durch die strenge russische Orthodoxie der Kirche im russischen Zarenreich unterdrückt. Heute erfreut sich dieses Fest jedoch langsam wieder einer steigenden Beliebtheit und wird in einigen Regionen im äußersten Nordwesten Russlands, vor allem im Grenzgebiet zu Finnland mit dem Fest zur Sommersonnenwende verbunden.

So, ich hoffe, der Beitrag hat euch gefallen, und wenn das der Fall ist, so freut euch doch schon mal auf meinen Nächsten, denn dieser wird dann eine gruselige Fantasygeschichte, basierend auf einer sehr bekannten urbanen Legende sein. Danach geht es dann weiter mit meiner Serie über Elementargeister. Zum Abschluss hier noch ein kurzer Text von Laura Isabel Biastoch:

Wassergeister

Dunkle Schatten lauern am Ufer,
todesstill liegt der See.
Mondlicht spiegelt sich im Wasser,
tief in der Nacht sind die Geister erwacht.

Sie steigen aus den Wasserfluten,
lautlos schweben sie umher.
Musik erklingt aus düst‘rer Ferne.
Das Fest beginnt bei Nacht,
denn die Geister sind erwacht.

Aus Nebelfäden webt der Wind
silberne Kleider zum Tanzen.
Darin drehen die Geister sich geschwind
beim Tanzen, Tanzen, Tanzen.

Wassergeister um Mitternacht
aus dem Wasser zum Leben erwacht.
Wassergeister rufen Tanz,
drehen sich im Mondenglanz.

Wassergeister
Wassergeister, rufen zum Tanz.
Wassergeister
Drehen sich im Mondenglanz.

Und willst du die Geister mal tanzen sehn,
musst du in düstere Wälder zieh‘n.
Beim Waldsee halten sie schon Wacht
und strahlen in leuchtender Pracht.

Wassergeister um Mitternacht …

Music & lyrics by Laura Isabel Biastoch

LG Wulfi

13 thoughts on “Rusalka – Die slawische „Meerjungfrau“

    1. Hallo Sabie,

      Danke für deinen Kommentar! 🙂 Ja, das Stimmt, da hast du recht, hier habe ich, was diese Themen angeht, doch wesentlich mehr Möglichkeiten, vor allem auch, was die Gestaltung der Beiträge angeht. Im nächsten Jahr habe ich hier auch sehr viel vor.

      LG Wulfi

    1. Hallo P353X,

      Oh, ich denke doch, das kannst du. Nur solltest du eben darauf achten, deine Angelausflüge außerhalb der Paarungszeit zu legen. Es sei denn natürlich, du bist einem gefährlichen Sex Abenteuer nicht abgeneigt. 😀

      LG Wulfi

    1. Hallo Daniela,

      Ja, ich weiß, es gibt viele, die sich viel lieber die Hörbeiträge hier anhören möchten, als selbst zu lesen. Dass du dennoch alles durchgelesen hast, freut mich deshalb auch um so mehr, aber vor allem natürlich, das dir mein Beitrag so sehr gefallen hat. 🙂 Ich weiß es noch nicht, ob ich selbst Hörbeiträge hochladen werde oder weiterhin nur “Standardbeiträge“ zum Lesen. Ehrlich gesagt bin ich persönlich jetzt kein großer Fan meiner Stimme, und so bin ich mir einfach nicht sicher, ob ich auch gut vorlesen könnte oder nicht. Mal sehen, wie sich das im kommenden Jahr entwickeln wird, ich bin ja gerade erst zum Autor geworden, und kommendes Jahr habe ich ja auch noch sehr, sehr viel vor hier. 😉

      LG Wulfi

  1. Hallo Wulfi,
    vielen Dank für den beinahe märchenhaften Beitrag.
    Erinnert mich ein klein wenig an „die kleine Meerjungfrau“, die ja eine sanfte Vertreterin der Rusalka zu sein scheint.
    Ich habe gelesen, dass sie mit den Nymphen (Wassernymphen) und Undinen vergleichbar sind.
    Wäre dann nicht die Loreley in diesem Sinne eine deutsche Version der Rusalka?
    Da es gerade Weihnachten ist wünsche ich Dir und der Community noch schöne Festtage

    PS: Ich weiß die Zeit ist am 06./07. Januar schon vorbei aber ich hätte gerne mal einen Beitrag über die Rauhnächte und die wilde Jagd.

    1. Hallo SuperShanks 10

      Vielen Dank! Ja, ich habe so eine kleine Neigung zum Märchenstil bei meinen Geschichten, das habe ich auch schon gemerkt. Tatsächlich gibt es zwischen der Loreley und den Rusalka gewisse parallelen, aber die Loreley bleibt im Gegensatz zu den Rusalka in den meisten Erzählungen jedenfalls vollkommen passiv. Allerdings verlockt sie die Männer mit ihrem verführerischen Gesang ebenso dazu, sich in ihr eigenes Unglück zu stürzen, auch scheint sie irgendwie mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Es stimmt aber natürlich, das es sehr viele parallelen in den Sagen und Mythen rund um die Flüsse und Seen gibt, diese sich nahtlos in die Mythologie der verschiedenen Völker, Regionen sowie Kulturen einfügen lassen. Ich werde im neuen Jahr deshalb auch noch einige Geschichten zu diesen Themen hier schreiben, weil es auch einfach Wahnsinnig viel zu diesem Thema gibt und diese Zusammenhänge doch hochinteressant sind, wie ich meine.

      So, leider ist Weihnachten zwar schon vorbei, aber trotzdem Danke für deine Wünsche, und dafür wünsche ich dir im Gegenzug sowie auch allen anderen hier in der Community einen guten Rutsch ins neue Jahr. Und natürlich hoffe ich ebenso, das alle miteinander hier schöne und auch besinnliche Weihnachtstage im Kreise ihrer Familie verbracht haben.

      LG Wulfi

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