Zur Hölle und Zurück

Der Schamane – Medizinmann, Priester und Reisender in der Geisterwelt – steht noch heute im Mittelpunkt archaischer Stammes-Gesellschaften in vielen Teilen der Welt.

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„Ich habe drei Jahre in der Hölle gelebt.“ Mit diesen Worten begann ein sibirischer Schamane vom Stamm der Burjaten einem russischen Anthroplogen die Geschichte seines Lebens zu erzählen. Der Schamane meinte das nicht symbolisch, und er benutzte auch nicht das Sprachbild, mit dem wir häufig unangenehme Erlebnisse beschreibt. ER behauptete ganz ernsthaft, dass er drei Jahre in der Gesellschaft von Gespenstern und bösen Geistern in der Unterwelt verbracht hatte. Solche Behauptungen sind unter Schamanen – Stammesheilern, Zauberen und Medien – keineswegs ungewöhnlich. Der Schamanismus ist auch heute noch in allen Teilen der Welt verbreitet, wo man Stammesgesellschaften findet: von Sibirien bis Südamerika, von Grönland bis Indonesien. Obwohl jeder Stamm seine eigenen Götter, seine eigenen Mythen und seine eigene Kosmologie hat, ist ihnen ein wesentliches Element gemeinsam: Im Zentrum des geistigen Lebens steht der Schamane, ein Mann oder auch Frau, welche persönlich spiritische Erfahrungen gemacht hat, die diese in direkten Kontakt mit dem Übernatürlichen gebracht haben. Gewöhnlich beginnen diese Erlebnisse mit einer Art persönlicher Krise, die sich nach außen vielleicht nur als eine Phase der Verstimmtheit und Zurückgezogenheit zeigt. Ein westlicher Psychiater würde wohl die Diagnose „Depression“ stellen. Diese Krise kann aber auch durch ein rein physisches Ereignis ausgelöst werden – die Person wird zum Beispiel vom Blitz getroffen oder fällt von einem hohen Baum. Die Krise des eingangs erwähnten Schamanen, der drei Jahre in der Hölle zubrachte, gehört zur zweiten Kategorie. Er versicherte, dass sein erster Kontakt mit dem Übernatürlichen zustande kam, als er einen schweren Anfall fieberhafter Erkrankung erlitt. Der Beschreibung nach zu urteilen, muss es sich um Pocken gehandelt haben.

Und doch gibt es Schamanen die durchaus in der Lage sind Übernatürliches in Erscheinung zu rufen. Nicht alles scheint demnach pure Einbildung zu sein.

 

@RealMystery

3 Kommentare

  1. Danke, Schamanismus ist ein sehr spannendes Thema.
    Und der Film über die Lepcha war sehr interessant. Ich frage mich immer, ist es gut, daß
    solche Völker besucht werden und ihr Wissen dokumentiert wird oder eher nicht?
    Es ist wie überall, die Jungen gehen weg und mit den Alten stirbt das Wissen, insofern ist es wohl
    zu begrüssen, daß es auf diese Art wenigstens ein wenig erhalten bleibt.
    Doch das einzige, was „uns“ interessiert, ist die Wirksamkeit mancher Pflanzen gegen Krankheiten.
    Das Spirituelle jedoch, wie in dem Film gezeigte Singen gegen böse Geister ruft doch höchstens
    milde Verachtung hervor. Aber kann man dieses alte Wissen wirklich so trennen?
    Mir kommt es manchmal so vor, als ob unsere moderne Welt an so vielem krankt, das man nicht mit Pillen heilen kann…

    1. Auf jeden Fall interessant. Ich kenne mich damit nicht aus, aber immer wenn ich irgendwo was über Schamanen lese, sehe oder höre, dann sind immer auch „Zauberpflanzen“ daran beteiligt. Und bei sowas hört dann die objektive Realität bei mir auf. Wenn ich z.B. eine Nacht nicht schlafe und dann am nächsten Tag am frühen Nachmittag „ungeplant“ einschlafe („ich lege mich mal kurz hin“), dann erlebe ich z.T. seltsame, unerklärliche Sachen im Schlaf, oder im Halbschlaf, meist recht unangenehm. Und das ganz ohne Zauberpflanzen. Ha ! Ich bin ein viel besserer Schamane als diese Primitiven !

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