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Yuki-Onna

(22.11.2019) Die uralte japanische Legende um eine wunderschöne und doch sehr gefährliche weibliche Geistererscheinung aus dem alten Japan einer Legende, die zwar schon uralt ist, aber sich dennoch noch bis in die heutige Zeit hinein erzählt wird.

Die Erzählung von Yuki-Onna, der weißen Schneefrau mit einem Herzen aus Eis.

Von der Wulfi

Die Legende von Yuki-onna (der Schneefrau oder auch der weißen Schneefrau) stammt ursprünglich aus dem Land der aufgehenden Sonne aus Japan. Dieser schöne, aber auch sehr gefährliche Charakter aus den alten Erzählungen kann einerseits die Erscheinung des nahenden Todes in einem schweren Schneesturm sein, (denn die japanischen Legenden neigen stark dazu, ihre Fähigkeit zu erwähnen, Menschen in Eis zu verwandeln.) Wieder andere Legenden aber erzählen Geschichten, die ihr eine gleichsam weichere, wie auch sanftere Seite nahe legen und dass Yuki-onna eher ein wohlwollender Schneegeist sei als ein eiskalter, dämonischer Geist, der nur auf sein nächstes Opfer wartet. 

Verlorenen Reisenden im Schnee auf der Spur.

Yuki-onna befindet sich neben zugleich vielen anderen mit auf der langen Liste der sogenannten Yokai, (den übernatürlichen Kreaturen, die als Monster, Dämonen, Geister oder andere mythische Wesen bezeichnet werden.) aus Japan aufgeführt. Sie ist keine sehr beliebte mythologische Kreatur, aber Yuki-onna ist den meisten Menschen bekannt, die in den höheren Lagen oder den kälteren und unwirtlicheren Gegenden Japans leben. Selbst für diejenigen, die mit der Vielfalt der japanischen Folklore nicht so vertraut sind, bilden die Yokai dennoch einen wesentlichen Teil ihrer Mythologie und Legenden. Die meisten unbekannten Phänomene oder natürlichen Elementarkräfte werden von ihnen als das Werk der Yokai beschrieben, und ebenso für die meisten Japaner sind jene geisterhaften Dämonen auch die Ursache für ihnen unerklärliche Phänomene und Ereignisse und schreiben diese Phänomene eben jenen Yokai geistern zu. Yuki-onna im Speziellen soll an den kalten Orten Japans und dort vorwiegend auf den schneebedeckten Bergen leben, wo sie sich von menschlicher Lebensenergie, also ihrer Seelenenergie, ernähren soll. Es gibt jedoch zu dieser Legende mehrere Variationen der Geschichte, die sich je nach Provinz voneinander sehr stark voneinander unterscheiden. Das bedeutet, dass die Legende eine Vielzahl von Formen annimmt, die sich im Laufe der Zeit ändern, – aber ein beständiger Teil der Erzählung besagt auch, dass Yuki-onna verlorenen Reisenden in schweren Schneestürmen nachjagen solle. Diese Legende ist auch in der westlichen Welt dank der übersetzten Werke von Lafcadio Hearn bekannter geworden.

Yuki-onnas Aussehen.

Von Yuki-onna wird gesagt, dass sie mit ihrer ewiglich jungen, reinen weißen Haut und aufgrund der Kälte des Eises doch auffallend tiefviolette Augen sowie auch ihren schönen langen, schwarzen oder gar weißen Haaren eine bezaubernde, ja sogar wunderschöne Erscheinung haben soll. Sie ernährt sich von der menschlichen Lebenskraft, saugt sie aus dem Mund ihrer Opfer heraus und friert diese dann nach ihrem Seelenmal auf ewiglich fest im ewigen Eis eines Gletschers ein. Obwohl Yuki-onna sich verlieben, heiraten und sogar unter den Menschen selbst unerkannt leben kann, wird sie niemals altern, und ihr eigentliches Wesen würde sich irgendwann allen offenbaren. Daher sagen die meisten Legenden, dass Yuki-onna sich zumeist lieber dafür entscheidet, in der Nähe von einsamen Bergstraßen zu leben und dort die vorwiegend einsamen Reisenden zu verfolgen. Aus den verschiedenen Teilen der Yuki-onna-Legende sticht jedoch ein besonderer Aspekt heraus, jener auch eine große Faszination besitzt: die Zeit, in der sie auftaucht. Wie bereits erwähnt, ändert sich ihre Legende je nach Standort. In den Präfekturen Aomori und Iwate soll die Yuki-onna beispielsweise während des „Koshigatsu“ oder des „kleinen Neujahrs“ erscheinen, das am 15. Januar als traditionelles Fest zum Jahresende für diese Region stattfindet. Dort, so heißt es in der Folklore, würde Yuki-onna am Neujahrstag eintreffen und dann am ersten Tage im Februar wieder abreisen.
„Worin genau die Verbindung zwischen diesen Daten und der Yuki-Onna liegt, bleibt jedoch im Dunkeln. Einige sagen, dass in der Antike die Yuki-Onna als die Göttin Toshigami verehrt wurde, eine besondere Gottheit, die nur an bestimmten Tagen erschien und entweder großes Glück oder gar großes Unglück für das kommende Jahr brachte. Interessant ist der Zusammenhang mit dem Monat Februar, der sich unter anderem mit dem gälischen Fest von Imbolc überschneidet. Sie könnte Aomoris Punxsutawney Phil, (eine Art von Murmeltier Wesen.) gewesen sein, jener entweder den Winter beendete oder ihn mit ihrer Anwesenheit gar verlängerte. Einige sagen, sie sei eine Dienerin des Berggottes gewesen, spiele die Rolle von Miko oder Shrine Maiden und bringe den Segen für die Fruchtbarkeit und eine baldige gute Ernte. Andere wiederum sagen, dass die Yuki-Onna nur bei Vollmond sowie bei Neuschnee erscheint. Mütter in der Präfektur Ehime werden gewarnt, ihre Kinder in solchen Nächten nicht spielen zu lassen. Wieder andere sagen, dass sie mit den ersten Schneestürmen des Jahres ankommen und mit ihnen zusammen wieder verschwinden solle. Und mindestens eine Geschichte besagt, dass die Yuki-Onna bereits kurz vor dem ende des Winters kurz vor Frühlings beginn erscheint, um sich vorübergehend vom Winter zu verabschieden. “

Legenden um Yuki-onna.

 

Obwohl die Berichte über Yuki-onna in der japanischen Folklore angeblich uralt sind, stammen die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über die Geschichte dieses Wesens aus der Muromashi-Zeit etwa (1333-1573). Ein Mönch namens Sogi schrieb über seine persönliche Begegnung mit Yuki-onna, als er an einem verschneiten Morgen sein Haus verließ. Seine Beschreibung sprach von einer schönen und sehr großen jungen Frau, die mit einem schneeweißen Gesicht in seinem zugefrorenen und tief verschneiten Garten stand. Seltsamerweise, obwohl sehr jung war das Haar dieser schönen Frau doch weiß wie der Schnee. Sie trug dabei einen ebenso weißen, fast durchscheinenden Kimono, - der an einem kalten, schneereichen Tag, wie jener es war für einen normalen Menschen keine angemessene Isolierung hätte bieten können. Als Sogi dann versuchte, mit ihr zu sprechen, verschwand die verführerische Frau sogleich wieder im nichts. Sogi wurde gesagt, dass die Yuki-onna der Geist des Schnees sei, der normalerweise bei starken Schneefällen auftauchte, sich aber selten an der Schwelle des Frühlings zeige. Andere Versionen dieser Geschichte sind beängstigender und beschreiben eine bösartige Yuki-Onna, die Menschenleben fordere, und als sehr bösartigen und auch rachsüchtigen Geist.

Eine der bekanntesten Versionen dieser spannenderen Geschichten stammt wiederum von Lafcadio Hearn, der eine sehr wichtige Rolle bei der Übersetzung und der Aufzeichnung von Informationen über die japanische Kultur spielte. Zu Hearns berühmtesten Werken gehören unter anderem eine Sammlung von Vorlesungen mit dem Titel Japan: ein Interpretationsversuch (1904) In geisterhaftes Japan von (1899) (einer Sammlung japanischer Geister- und Folkloregeschichten.) und Kwaidan: Geschichten und Ateliers von seltsamen Dingen (1904). Dabei geht es in erster Linie um eine frühe Interpretation der japanischen Kultur und Bräuche, einschließlich der Geistergeschichten. In Hearns Geschichte über Yuki-onna beschreibt die Legende auch zwei Holzfäller – Mosaku einen älteren Mann und Minokichi einen jüngeren. Die Männer fuhren der Legende nach an einem kalten Abend nach Hause, als sie auf ihrem Weg von einem schweren Schneesturm erwischt wurden. Sie konnten in einer Hütte in der Nähe eines Flusses Unterschlupf finden.

Die beiden Männer schliefen ein, aber Minokichi wurde später von einem kalten Wind geweckt, der anscheinend die Tür der Hütte aufgesprengt hatte. Er sah den schockierenden Anblick einer ganz in Weiß gekleideten Frau, die sich über Mosaku beugte und ihm ihren eisigen, todbringenden Atem einhauchte. Die Yuki-Onna ging dann in Richtung Minokichi, aber sie hatte offenbar Mitleid mit ihm, als sie seine Jugend und Schönheit bemerkte. Sie beschloss, sein Leben zu verschonen unter der Bedingung, dass er niemandem offenbaren würde, was er in dieser Nacht sah. Der junge Mann stimmte zu. Yuki-onna warnte ihn aber auch davor, dass sie es wissen und ihn töten würde, wenn er jemals jemandem von den Geschehnissen in dieser Nacht erzählte. Ein Jahr später lernte Minokichi auch eine schöne junge Frau namens O-yuki kennen, (was soviel wie "Schnee" bedeutet.) und heiratete diese. Zusammen unterhielten die beiden eine sehr glückliche Ehe und hatten zusammen auch mehrere Kinder. Eines Tages jedoch vergaß Minokichi aber sein Versprechen an das übernatürliche Wesen und erzählte seiner Frau von dem Tag, an dem er Yuki-onna gesehen hatte. Zu seiner Überraschung entpuppte sich O-yuki als eben dieses Wesen Yuki-onna und erinnerte ihn daraufhin an sein Versprechen der Geheimhaltung. Sie beschloss überraschend, Minokichis Leben noch für ein letztes weiteres Mal zu verschonen, weil ihre Kinder versorgt werden mussten, aber sie verschwand daraufhin für immer und ließ ihn ebenso für immer alleine mit ihren gemeinsamen Kindern zurück. 

@Beitrag von Wulfi

@RealMystery 

14 thoughts on “Yuki-Onna

    1. Hallo Sabie,

      Erst mal danke für deinen Kommentar und schön, dass dir der Beitrag gefällt und das du ihn auch als so Informativ empfunden hast. Ja, der Beitrag stammt komplett aus meiner Feder, äh meiner Tastatur natürlich. 😉 Real Mystery hat den Beitrag für mich bearbeitet und hochgeladen, wofür ich ihm auch sehr sehr dankbar bin und auch dafür, das er mir überhaupt die Möglichkeit bzw. die Chance dazu gegeben hatte.

      LG Wulfi

    1. Hallo Eisen85,

      Erst einmal Danke für deinen Kommentar. 🙂

      Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, ob ich weitere Beiträge machen darf oder nicht. Das kommt ganz darauf an, einerseits darauf, wie mein Beitrag hier ankommt und andererseits, ob die drei es überhaupt möchten, das ich auch künftig Beiträge für die Seite erstelle oder nicht. Ich würde jedenfalls sehr gerne weitermachen, auch was diesen Themenbereich angeht, aber im Moment kann ich dazu leider nichts sagen. Spaß machen würde es mir auf jeden Fall, und ich habe zu diesem und auch weiteren Themen noch sehr viel Stoff auf Lager. 😉

      LG Wulfi

      1. Mich interessier sowas sehr.
        Seit meinen 12 Lebensjahren befasse ich mich mit Märchen und mythische Figur. Besonders welche mit grusel Faktor. Wo es Welt weit viele existieren. Und hab selber schon eine Sammlung. Wäre schön sich darüber zu unterhalten.

        Falz Interesse besteht. Ansonsten würde ich mich über jeden weiteren Artikel/Beitrag freuen!
        LG Eisen 85

        1. Oh, sehr gerne sogar Eisen85. 🙂 Ich tausche mich immer gerne mit gleichgesinnten aus, vor allem, wenn es dabei um dunkle Mythen, Märchen, Sagen und Legenden geht. Am liebsten über urbane Legenden, denn die sind sozusagen mein liebstes Steckenpferd, und das auch schon, seit ich 14 Jahre alt war. 🙂 Würde mich wirklich sehr freuen.

          LG Wulfi

    1. Hallo batnblack,

      Danke für dein Feedback. 🙂 Ja, die Sagen und Mythen Welt rund um die Wesenheiten der Yokai, ist wirklich riesengroß und gestaltet sich auch äußerst vielfältig. Vor allem, da diese Wesen bis heute sehr tief in der japanischen Kultur und auch ihrer Religion verwurzelt sind. Anders als bei uns in Deutschland zum Beispiel, wo die alt hergebrachten Erzählungen kaum mehr von tieferer kultureller oder religiöser Bedeutung sind. Was eigentlich sehr schade ist, da unsere Kultur mindestens genauso tiefgründig und auch vielfältig ist wie die Japanische.

      LG Wulfi

  1. Faszinierend… Eine sanftere Version der Lamia oder den Erynien aus der griechischen Mythologie… Wobei die deutschsprachigen Fluss- und Meeressagen auch voll von Geisterfrauen oder vielmehr Nixen sind, die sich ähnlich verhalten haben wie diese Yuki-Onna. Interessant wie sehr sich die Erzählungen bei aller Unterschiedlichkeit sich in vielen Kulturen ähneln und an den jeweiligen ländlichen Begebenheiten anpassen.

  2. Hallo Kuruna,

    Vielen Dank für deinen Kommentar. 🙂

    Ja, da hast du recht, die Ähnlichkeiten sind wirklich sehr verblüffend, man sieht doch immer wieder, wie ähnlich wir Menschen uns doch im Grunde alle sind. Trotz aller Unterschiede haben wir doch letztlich alle einen gemeinsamen Ursprung und erzählen unseren Kindern schon seit Anbeginn unserer Geschichte, die Mythen Sagen und Legenden über unsere Umwelt und die uns umgebende Natur. Gerade wenn man sich mit diesen Erzählungen beschäftigt, lernt man, das wir Menschen doch viel mehr gemeinsam haben, als wir denken. Statt das trennende zu betonen, sollten wir viel mehr unsere Gemeinsamkeiten erkennen und dabei helfen, könnten eben jene Überlieferungen, die uns doch so sehr verbinden.

    Ach, wegen der Wassernixen, die du erwähntest, kennst du denn auch die Erzählungen der Rusalki bzw. Rusalka aus der slawischen bzw. russischen Mythologie?

    LG Wulfi

    1. Hallo Dulzinea,

      Vielen Dank, und es freut mich sehr, das dir der Beitrag gefallen hat. Ja, ich liebe diese Geschichten ebenfalls, und es werden deshalb auch noch mehr Geschichten dieser Art kommen. Versprochen! 🙂

      LG Wulfi

  3. Vielen Dank für deinen Beitrag, Wulfi. Ich liebe japanische Legenden, vorallem die yokai (also japanische Gespenster) finde ich spannnend. Sie sind so ganz anders als europäische und amerikanische Gespenster-/ Geisterlegenden. Bitte, bitte mehr davon.

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