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Der Atlas-Vampir!

4. Mai 1932 in Schweden, Stockholm im Atlas Viertel

(10.11.2019) Die Polizei bricht die Tür zu Lilly Lindeströms Wohnung auf. Sie finden Lilly liegend auf ihrem Bett, sie liegt auf dem Bauch, sie ist tot.

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Getötet wurde sie durch stumpfe Gewalteinwirkung auf dem Kopf, wie es immer genannt wird, wenn Jemand mit einem stumpfen Gegenstand der Kopf eingeschlagen wird. Lilly ist nackt. In ihrem Anus steckt ein benutztes Kondom, was in ihrem Fall nicht sonderlich verwunderlich war, denn Lilly war eine Prostituierte. Sehr seltsam war allerdings die Tatsache, dass trotz der Brutalität des Tatorts nur sehr wenig Blut entdeckt wurde und dass es fast keine Blutspuren gab. Auch der Körper von Lilly war völlig blutleer und zu allem Überfluss lag neben ihrem Bett eine blutige Soßenkelle.

 

Das war die Szene,

wie Lilly Lindeström nach Stockholmer Polizeiberichten im Mai 1932 in ihrer Wohnung aufgefunden wurde. Es stellte sich heraus, dass Lilly schon fast drei Tage lang tot war, als sie gefunden wurde. Ihre Kleider waren auf einem Stuhl sorgfältig zusammengefaltet. Dass am Tatort kaum Blut vorhanden war und sogar Lillys Körper blutleer war und die Soßenkelle neben ihr lag, bereitete den Polizisten die größten Probleme bei dem Versuch, die Tat zu rekonstruieren. Schnell war klar, dass es nur zwei Möglichkeiten geben konnte: 1. Der Täter hat – warum auch immer und wie auch immer – Lillys Blut aufgefangen und entweder im Abfluss entsorgt oder mitgenommen, oder 2. der Täter hat das Blut mit der Soßenkelle getrunken. Einige waren so von der 2. Variante überzeugt, dass der Täter von nun an der „Atlas-Vampir“ genannt wurde. Ermittler fanden auch Speichel an Lillys Hals und an ihrem Körper. Der Mord an der 32-jährigen Prostituierten Lilly Lindeströms ist nach wie vor einer der seltsamsten und bizarrsten Fälle in der Geschichte Nordeuropas.

 

Lilly Lindeström

war 1932 eine Neuheit in Stockholm und sie arbeitete anders, als die anderen Prostituierten. Anstatt nachts auf der Straße nach Freiern zu suchen, war Lilly, das was man heute als „Call Girl“ bezeichnen würde. Ihre Kunden kontaktierten sie, um Aufträge in ihrer Wohnung zu arrangieren.

 

Das letzte Lebenszeichen

von Lilly war, dass sie drei Tage vor ihrem Auffinden bei der 35-jährigen Prostituierten Minnie Jansson auftauchte. Minnie teilte der Polizei mit, dass Lilly bei ihr gewesen war, um sich Kondome zu holen. Minnie wohnte praktisch nebenan und sie sagte, es sei häufiger vorgekommen, dass Lilly nackt zu ihrer Tür kam und nach Kondomen fragte. Nachdem Minnie Lilly am nächsten Morgen nicht gesehen hatte, war sie zwar besorgt, aber nicht so, dass sie an so etwas Schlimmes dachte und daher hat sie auch nicht umgehend die Polizei informiert.

 

Die Verdächtigen

waren sofort die Männer, die Lilly regelmäßig besuchten. Prostituierte waren lange Zeit Ziel von sexuellen Triebtätern und Serienmördern. Insgesamt wurden neun Männer von den Polizisten befragt. Die Namen der Verdächtigen wurden aber nie veröffentlicht, und die Polizei ließ alle von ihnen gehen. Keiner erwies sich als ernsthafter Verdächtiger. Und so blieb es auch, keine Verdächtigen, keine Anhaltspunkte, keine sinnvollen Schlussfolgerungen. Alle Beweise, die im Zusammenhang mit diesem Fall gesammelt wurden existieren noch, sie befinden sich im schwedischen Polizeimuseum. Dort findet man eine Haarprobe, einige Speichelproben und einige alte Kondome. DNA Analysen waren derzeit selbstverständlich noch nicht möglich, wie schon erwähnt stammt der Fall aus dem Jahre 1932.

 

Weitere Probleme,

mit denen die Stockholmer Polizei im Jahre 1932 zu kämpfen hatte, war die Tatsache, dass es so viele Lillys gab, besonders in dem Viertel, in dem Lillys Wohnung war. Sie grenzte an einem Viertel namens Sankt Eriksplan (ironischerweise nach dem frommen König Erik dem IX. Benannt). Das Viertel war wegen der großen Anzahl von Prostituierten berüchtigt. Überfälle und Morde in dieser Gegend waren im Jahr 1932 leider üblich.

Zu dieser Zeit litt Schweden, wie praktisch jedes Land in Europa, durch die Weltwirtschaftskrise. Die Löhne sanken und die Arbeitslosigkeit stieg. Während dieser Krise zogen Schweden aus dem Umland nach Stockholm, um dort ihr Glück zu versuchen. Lillys Mörder könnte daher auch aus diesem Kreis stammen.

 

Ein Portrait des Mörder

wurde versucht zu erstellen. Dieses war sehr bizarr. Die Stockholmer Polizei konzentrierte sich auf das benutzte Kondom, welches in Lillys After steckte. Es war klar, dass der Täter und Lilly Analsex betrieben und Lilly während dieses Vorganges mit einem unbekannten Gegenstand auf dem Hinterkopf erschlagen wurde. Obwohl es den Begriff „Eselschlag“ damals noch nicht gab, mit dem angeblich der männliche Orgasmus durch solch einen Schlag verstärkt werden kann (was allerdings ein Mythos ist) gingen die Ermittler davon aus, dass der Mörder genau dies getan hat. Übrigens, macht euch keine Sorgen, wenn ihr zum ersten Mal in eurem Leben den Begriff „Eselschlag“ gehört habt, ich kannte ihn auch nicht. Außerdem gehen die Ermittler davon aus, dass der Mörder ein seltsamer Freak gewesen sein könnte, er muss die Wohnung von Lilly sehr gründlich gereinigt haben und vielleicht sogar ihre Kleider gefaltet haben. Wie gesagt, der Mord fand im Jahr 1932 statt, da kann es nicht darum gegangen sein, seine DNA Spuren zu vernichten.

 

Zwei Theorien

wurden aufgrund des Tatortes aufgestellt. Erstens könnte der Atlas Vampir ein Polizist gewesen sein. Das schlossen die Polizisten daraus, dass der Mörder so wenig Beweise wie möglich hinterlassen hat und einen möglichst bizarren und unerklärlichen Tatort. Nach heutigem Stand waren aber massenhaft Spuren, die den Täter überführen würden vorhanden. Die Sperma- und Speichelspuren alleine hätten schon gereicht, um den Täter zu überführen.

Die zweite Theorie war, dass es sich bei Lillys Mörder tatsächlich um einen echten Vampir handelte. Als Beweis dafür galt, dass Lillys Körper blutleer war und dass die blutige Soßenkelle neben ihr gefunden wurde. Mir wäre zwar neu, dass Vampire das Blut ihrer Opfer mit einer Soßenkelle trinken, aber wer weiß, vielleicht hatte er eine Allergie oder so. Andererseits stellt sich die Frage, wie das Blut aus Lillys Körper entnommen wurde, es ist wohl kaum vorstellbar, dass jemand mit einer Saugvorrichtung in die Wohnung gekommen ist, diese dort abgestellt hat, mit Lilly Sex hatte, sie erschlug und dann mit der Saugvorrichtung das Blut aus ihrem Körper gesaugt und evt. getrunken hat … oder doch?

 

Creepypasta

sind aus diesem sehr merkwürdigen Fall entstanden, da sich der Fall ja schon fast aufdrängt. Nachweislich entstanden die Geschichten aber nach dem tatsächlichen Mord und waren nicht aus der Luft gegriffen. Der Mord hat tatsächlich so wie beschreiben stattgefunden und lässt sich auch heute noch in den alten Polizeiakten und im Museum so nachlesen.

Eine Creepypasta Version kommt zu dem Ergebnis, dass ein Mann aus Lillys Albträumen sie umgebracht hat. Bei diesen Creepypastas steht dann auch immer bei: „Nach einer wahren Begebenheit“.

 

Vampire

gibt es nicht und gab es nie. Das ist wohl die Meinung, welche von den meisten Menschen vertreten wird. Die Vorstellung, dass Tote ein untotes Leben weiterführen und sich durch menschliches Blut ernähren ist aus wissenschaftlicher Sicht unmöglich. Es gibt psychische Störungen, die Menschen zu allerlei unerklärlichen Dingen treiben, wohl auch, das Blut von anderen Menschen zu trinken. Der Kölner Kriminalbiologe Mark Benecke hat den sogenannten „Reallife-Vampirismus“ untersucht. Wen es interessiert einfach mal danach googeln. Abgesehen von psychischen Störungen gab es auch rituelles Trinken von Menschenblut. Aber dies hat nichts mir den Vampiren zu, die wir uns vorstellen.

 

Ungelöst

ist der Fall allerdings bis heute. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Lilly den Mann, der sie ermordet hat, aufgrund ihrer Tätigkeit als Prostituierte kannte. Falls diese Annahme richtig ist, ist es verwunderlich, dass die Stockholmer Polizei den Täter nicht fassen konnte, da alle ihre Kunden befragt worden sind. Falls Lilly ihren Mörder nicht kannte und er das erste Mal bei ihr war und danach vielleicht die Gegend verlassen hat, ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass der Mörder nie gefasst wurde. Falls es ein Polizist war, der genau wusste, wie er einen möglichst spurenfreien und verwirrenden Tatort hinterlässt, war er vielleicht selber an den Ermittlungen beteiligt und somit ist es auch nicht verwunderlich, dass er nie gefasst wurde.

Falls der Altas-Vampir aber doch ein echter Vampir war, dann hoffe ich, du kannst heute Nacht trotzdem ruhig schlafen …

 

 

8 thoughts on “Der Atlas-Vampir!

  1. In der damaligen Zeit gab es Bestimmt auch viele Geschlechtskrankheiten,aber dem Täter der dann auch noch das Blut trinkt währe es egal gewesen.
    Deswegen denke ich der Täter hätte kein Kondom benutzt,
    und sich schon gar nicht aufzwingen lassen.

  2. Die Frage ist was die genaue Todesursache war. Der Schlag auf den Kopf oder der Blutverlust. Das geht aus deinem Bericht nicht hervor. Ich denke das Letzteres zutraf, denn das Ganze könnte auch ein satanisches Sexritual mit anschließender Opferung durch Ausbluten gewesen sein. Wofür auch der Analverkehr spricht. Denn wenn die Frau nur bewusstlos war durch den Schlag dann brauchst da auch nix abpumpen. Das Blut fließt dann ganz von allein. Auch postmortem fließt das Blut in Richtung Schwerkraft. Es dauert nur länger. Und Zeit hatte der Mörder ja offensichtlich genug. Das Blut wurde dabei mit der Kelle aufgefangen und in ein rituelles Gefäß gefüllt. Ein Teil davon würde auch sicherlich sofort von dem Akteur getrunken. Der Rest wurde dann sicher für weitere Rituale verwendet. Das erklärt auch warum alles hinterher gereinigt wurde. Denn zur damaligen Zeit haben Satanisten nicht so offen und freizügig ihren Wahn ausüben können wie es heute zum Teil der Fall ist. Das Zurücklassen der Kelle sollte denke ich in die Richtung von Vampirismus lenken, um von dem wahren Kern der Tat abzulenken, oder sie wurde einfach nur vergessen. Für mich ist das klar ein Ritualmord gewesen. Gibt es auch viele Beispiele aus jüngerer Zeit die ähnlich abliefen aber eben nicht als Ritualmord erkannt wurden und auch bis heute ungelöst sind.

  3. Warum sollen Vampire tote sein, die ein untotes „leben“ führen? In den Medien wird, fast immer gezeigt, dass die Menschen die zu einem Vampir gemacht werden, infiziert werden. Gehen wir von dem Standpunkt aus, dass es sich um einen Virus handelt, der den Menschen so weit verändert, dass es äusserlich menschlich wirkt es aber nicht mehr ist. Man muss doch nicht zwingend Tod sein, oder?. Es heist, Blut ist Leben. Warum sollte sich neben dem Menschen keine weitere Spezies entwickelt haben. Wenn wir mal ehrlich sind, Wissen wir nicht viel, weil uns vieles Verschwiegen wird.

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