Die Schwarze Nonne. Legende oder Geistwesen?

Es ist wie so oft: Erscheinungen treten auf, die von den Einen massiv wahrgenommen werden und andere halten sie für kompletten Unsinn. Was ist es bei der schwarzen Nonne?

Im Jahre 1811 war die Bank von England eine der renomiertesten Bankhäuser der Welt.
Ihr damaliger Sitz befand sich in der lodoner Threadneedle Street.
Unter ihren vielen Mitarbeitern befand sich ein Mann namens Philip Whitehead, manchmal auch Paul Whitehead genannt, der im Kassenbüro arbeitete. Obwohl er als höflich und vornehm galt, hatte Philip eine etwas dunklere Seite an sich.
Und auch wenn er Kunden und Mitarbeiter stets mit einem Lächeln begegnete, fälschte er heimlich Dokumente und betrog die Bank.
Er tat dies eine ganze Weile und irgendwann schien er sich so sicher, dass er nicht glaubte, mit seinen Taten jemals auffliegen zu können. Ein Irrtum dem viele Menschen erliegen, wenn sie ihre Taten zunächst unbemerkt fortführen können. Und so flog Whitehead eines Tages dann doch auf und wurde verhaftet.
Im damaligen England waren die Strafen für solche vergehen drakonisch.
Für seine Taten wurde Whitehead zum Tode verurteilt.
Um den Ruf der Bank nicht zu schädigen, wurde seine Tat und seine Strafe aber nicht an die große Glocke gehängt. Anfang des Jahres 1812 wurde Whitehead an einem regnerischen Tag im Hinterhof des Gefängnis gehängt.

Historisches Bild der Bank von England.

Nicht einmal seine nächsten Verwandten wurde darüber informiert.
Philipps Schwester, Sarah Whitehead, die ihm sehr nahe stand, machte sich nach einziger Zeit um ihren Bruder Sorgen. Sie war gewohnt in unregelmäßigen Abständen von ihm zu hören. Aber nachdem sie mehrere Wochen lang nichts von ihm gehört hatte, fuhr Sarah zur Bank of England, um ihrem Bruder einen Besuch abzustatten. Und obwohl die Bankmitarbeiter sehr wohl wussten, dass er tot war, sagten sie ihr das nicht, sondern erzählten, dass er einfach nicht da sei. Diese eine Reise zur Bank sollte für Sarah die Erste von vielen Fahrten dort hin werden. Und sie sollte dort täglich mit derselben Frage vorsprechen: „Haben Sie meinen Bruder gesehen?“
Schließlich gab ihr ein Bankangestellter, vielleicht aus Mitleid, zu verstehen, dass ihr Bruder gehängt worden war.
Die Nachricht vom Tod ihres geliebten Bruders trieb sie in den Wahnsinn.
Sie begann damit, nur noch ein langes, fließendes schwarzes Kleid mit einem Schleier zu tragen, der ihr Gesicht bedeckte, so als ob sie auf dem Weg zu einer Beerdigung wäre.
Das brachte ihr den Spitznamen „The Black Nun“ ein. Sie begann damit, jeden Tag in die Bank of England zu gehen und sich in ihrer schwarzen Trauerkleidung dort bewegungslos in den Raum zu stellen. Obwohl dies für die Bank und ihre Kunden etwas beunruhigend war, hatten einige Kunden Mitleid mit ihr und gaben ihr kleinere Geldbeträge, um ihr zu helfen, mit ihrer tiefen Trauer fertig zu werden.

Sarah Whitehead

Doch ihr Auftreten wurde immer merkwürdiger. Tag für Tag besuchte sie die Bank, und sie begann damit aggressiv zu fragen: „Hast du meinen Bruder gesehen?“ immer wieder, mit immer lauter werdender Stimme, obwohl sie sich wohl bewusst gewesen sein muss, dass er tot war. Darüber hinaus begann sie, den Bankbetrieb zu stören, indem sie Kunden beleidigte, Menschen aus der Wartereihe trieb, Geld verlangte, von dem sie in ihrem zunehmend instabilen Verstand überzeugt war, dass es ihres sei und die Bank es zurückhielt, und sie schrie aus vollem Herzen „Hast du meinen Bruder gesehen?“.
Jahrelang ging dies täglich weiter, bis 1818 beschlossen wurde, die Schwarze Nonne ein für allemal loszuwerden. Ein stattlicher Geldbetrag wurde ihr in die Hände geschoben und ihr wurde gesagt, sie solle nie wiederkommen, sie sei offiziell für immer unerwünscht. Obwohl sie den Rest ihres Lebens damit verbrachte, dieses schwarze Kleid und diesen schwarzen Schleier jeden Tag zu tragen, und sich in den umliegenden Straßen herumtrieb, die sich in der Nähe der Bank befanden, machte sie keinen weiteren Schritt mehr hinein. Zumindest nicht, solange sie noch am Leben war!
Sarah Whitehead starb eines Tages und wurde auf dem nahegelegenen Friedhof von
St. Christopher-le-Stocks, der in späteren Jahren Teil des Bankgartens werden sollte, begraben. Praktisch gerade als die letzte Schaufel voll Erde über ihr Grab gestreut wurde, gab es Berichte über sehr seltsame Dinge, die sowohl auf, als auch um den Friedho herum, vor sich gingen. Die Mitarbeiter der Bank begannen, dunkle Schatten in der Umgebung ihrer Arbeitsplätze zu sehen, und im Laufe der Zeit erstarrten berichteten einige von ihnen, dass diese Schatten aussahen, wie ein Frau in schwarzer Trauerkleidung. Dieser scheinbare Geist wurde immer dreister, tauchte vor erschrockenen Bankmitarbeitern und Kunden aus dem Nichts auf, hauchte: „Hast du meinen Bruder gesehen“, bevor er sich wieder in Luft auflöste. Und das soll bis heute so sein. Es gibt zahlreiche Berichte bis in die heuteige Zeit über Begegnungen mit dieser schattenhaften Gestalt.
Diese Erscheinungen beschränken sich aber nicht auf die Bank.
Auch auf dem Friedhof auf dem Sarah beigsetzt wurde, soll dieser Schattengeist sein Unwesen treiben.
Es ist atsächlich so, dass es bei der Bank of England schon Kündigungen durch Angestellte gab, die ihr begenet sein wollen und dies nicht verkaftet haben. Ihr Angst war danach so groß, dass sie ihren sicheren Arbeitsplatz aufgegeben haben. Und angeblich haben die Eigner der Bank schon mehrfach verschiedene Ghosthaunter, Exorzisten und andere Spezialisten beauftragt, der Lage Herr zu werden und dieses Schattenwesen zu vertreiben.

Die schwarze Nonne der Threadneedle Street ist zu einer beliebten lokalen Attraktion geworden, und es gibt viele, die dort hin fahren, nur in der Hoffnung, einen Blick auf die Erscheinung werfen zu könnenn. Aber was genau ist dort los? Ist das nur eine gruselige urbane Legende oder ist an all dem etwas Wahres dran?
Wenn jemand zufällig in nächster Zeit nach london fährt, kann er ja mal die Bank of England besuchen und einmal über die Threadneedle Street flanieren.
Denn eine Frage ist bis heute offen. Immer wenn jemand diesen Geist gesehen hat, der im schaurigen Ton frage, „Hast du meinen Bruder gesehen“, hat man entweder gar nicht geantwortet oder ein erschrockenes „Nein“ von sich gegeben.
Was mag wohl passieren, wenn man einmal mit „Ja“ antwortet?
Probiert es eimal aus.

Mythen Metzger

 

14 Kommentare

    1. Vielleicht sollte mal einer antworten mit sowas wie „Ja, ich habe ihn gesehen. Er ist im Himmel.“ Vielleicht gibt die Schwester dann Ruhe. Oder sie kommt entnervt zurück und beschwert sich, daß er gar nicht dort ist und wird dann noch wütender …

  1. Hallöle Mythie,
    weisst du, ob die Londoner Bank sich offiziell – in diesem Fall direkt im Gebäude – für die Tötung des Bruders entschuldigt hat? Wäre evtl eine Option, Frieden mit der sog. schwarzen Nonne zu schließen.
    Nur eine Geisteraustreibung reicht hier definitiv nicht.
    Gruß aus Berlin

    1. Hab auch gerade drüber nachgedacht…
      Dann ist mir eingefallen „ach. verdammt. Verschleierungsverbot in deutsche Bankfilialen.“ und ohne Schleier ist es nur halb so witzig 😉

      Andererseits wärst du der Hingucker auf der Polizei Station…

  2. Oh da vermute ich das selbst eine Entschuldigung nichts verändernd bewirken könnte. Eine solch schockierende, eine Seele traumatisierende Tat kann nicht ENTschuldet werden, sie ist geschehen, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Weiter vermute ich, selbst wenn das Bankgebäude abgerissen würde ginge der „Spuk“ weiter.
    Tja und zum Scherz auf die Frage der Schwester „Hast du meinen Bruder gesehen“ mit „Ja“ zu antworten? Boah diese stark verzweifelte Anhaftung der Schwester möchte ich nicht ertragen müssen, das wars dann mit einem eigenem Leben.
    Wenn diese Geschichte so stimmt, könnte man an ihr gut erahnen was durch Taten mancher Menschen für Energien bis in andere Ebenen/Dimensionen getragen werden. Au weia…

  3. Zwar steht die Existenz von Geistern für mich außer frage, aber gerade diese Geister „Attraktionen“ machen mich skeptisch.

    Solche Geschichten werden irgendwann zum Selbstläufer.
    Das verhalten der Dame war offenbar schon zu Lebzeiten gruselig, dann hat man sie auch noch direkt neben der Bank begraben.
    Gerüchte entstehen aus unterbewussten Ängsten, vielleicht sogar Schuldgefühlen und werden weitergegeben. Alles mögliche wird dann als Geistersichtung interpretiert.
    In jeder Generation werden die Geschichten einen Hauch mehr überspitzt und die „Häufigkeit“ der Sichtungen gibt dem ganzen Rückhalt.

    Andererseits könnte ich den Geist gut nachvollziehen. Würde jemand meinem Brüdern an den Kragen gehen, würde ich diese Person oder Institution, wenn es mir irgendwie möglich ist auch über den Tod hinaus verfolgen.

  4. Huhu, habe leider ein paar Rechtschreibfehler entdeckt die irgendwie meinen Lesefluss stören:

    „Friedho herum, vor sich gingen. Die Mitarbeiter der Bank begannen, dunkle Schatten in der Umgebung ihrer Arbeitsplätze zu sehen, und im Laufe der Zeit erstarrten berichteten einige von ihnen, dass diese Schatten aussahen, wie ein Frau“

    Erstes und vorletztes Wort. Fehlt jeweils ein Buchstabe.

    „Es gibt zahlreiche Berichte bis in die heuteige Zeit über Begegnungen mit dieser schattenhaften Gestalt.“
    Heutige….

    „Auch auf dem Friedhof auf dem Sarah beigsetzt wurde, soll dieser Schattengeist sein Unwesen treiben.“
    Beigesetzt

    „Es ist atsächlich so, dass es bei der Bank of England schon Kündigungen durch Angestellte gab, die ihr begenet sein wollen und dies nicht verkaftet haben.“
    Tatsächlich

    „Ihr Angst war danach so groß, dass sie ihren sicheren Arbeitsplatz aufgegeben haben.“
    Ihre

    „Und angeblich haben die Eigner der Bank schon mehrfach verschiedene Ghosthaunter, Exorzisten und andere Spezialisten beauftragt, der Lage Herr zu werden und dieses Schattenwesen zu vertreiben.“
    Ghosthunter

    „Die schwarze Nonne der Threadneedle Street ist zu einer beliebten lokalen Attraktion geworden, und es gibt viele, die dort hin fahren, nur in der Hoffnung, einen Blick auf die Erscheinung werfen zu könnenn.“
    Können

    „Wenn jemand zufällig in nächster Zeit nach london fährt, kann er ja mal die Bank of England besuchen und einmal über die Threadneedle Street flanieren.“
    London muss groß geschrieben werden.

    Es tut mir sehr leid, kommt vielleicht kleinlich und pingelig rüber, aber ich hab da so nen Tick, das ich den Text sonst nicht genießen kann….

    Braucht ihr jemanden der alle Artikel Probe ließt bevor sie bei euch online gehen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Sandraupe

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