Unsere Erde und ihre drei Monde!

Okay, einige denken jetzt bestimmt, da hat der Quipu aber sehr tief ins Glas geschaut, damit er sogar drei Monde sieht. Aber einige Dinge sind etwas komplizierter, als sie auf den ersten Blick wirken. Die Frage: „Wie viele Monde hat die Erde?“ ist gar nicht so einfach zu beantworten. Bevor ihr jetzt alle nach draußen rennt und die anderen beiden Monde sucht, ihr werdet sie nicht sehen können. Warum das so ist, lässt sich erklären:

Zunächst einmal muss geklärt werden, was ein Mond ist.

Ein Mond ist ein natürliches Objekt, welches einen Planeten umkreist. Eine exakte Definition, wie groß dieses Objekt sein muss, um ein Mond zu sein, gibt es nicht. Daher stellt sich die erste Frage: Ab welcher Größe ist ein Objekt, das die Erde umkreist ein Mond? Ab 1 m, 10 m, 100 m?

Alan Stern vom SWRI in Boulder sagt, dass ein 30 cm großer Felsbrocken, der einen Planten umkreist, technisch gesehen ein Mond ist. Bei konsequenter Handhabung dieser Definition würde man feststellen, dass es in unserem Sonnensystem Abertausende von Monden gibt. Es wird noch komplizierter, wenn man bedenkt, dass selbst Asteroiden nach dieser Definition, die allgemein gültig ist, Monde besitzen.

Monde werden auch Begleiter oder Satelliten genannt. Als die Menschen das erste mal Satelliten in die Erdumlaufbahn beförderten wurde es notwendig, diese Satelliten von denen, die schon immer Planeten umkreisten abzugrenzen. Es wurde dann von natürlichen Satelliten, also von Monden und von Satelliten gesprochen. Dies war nicht gerade eine günstige Wortschöpfung, da der Laie, wenn er etwas von Satelliten hört, immer sofort an künstliche Satelliten denkt und nicht an Monde oder natürliche Satelliten.

Da auch Asteroide Satelliten haben und diese auch Monde genannt werden, ist die Verwirrung perfekt. Das Wort Mond wird also sehr freizügig verwendet.

Kommen wir zurück zu unserer Erde und den Monden: Die Erde hat einen besonderen Begleiter, ein Objekt mit der Bezeichnung 2002 AA29. Dieses Objekt umkreist einerseits die Sonne, andererseits in einer hufeinsenförmigen Bahn die Erde. Er kommt alle paar hundert Jahre der Erde nah genug, um sich dann etwa 50 Jahre lang wie ein Mond der Erde zu verhalten. Ist dies nun ein Mond oder nicht? Wie groß darf eine eliptische Bahn um einen Planeten sein, damit das Objekt noch ein Mond des Planeten ist? All diese Fragen sind nicht eindeutig geklärt.

Andere Astronomen wie David Jewitt vertreten die Auffassung, die Mondfrage nicht neu zu definieren. Im Bezug auf die Mindestgröße eines Objektes, um als Mond oder nur als Felsbrocken oder Krümel bezeichnet zu werden stellte er die Gegenfrage: „Ist ein kleiner Hund kein Hund, nur weil er klein ist?“

Laut NASA gibt es noch weiter Objekte, die als Mond der Erde bezeichnet werden könnten.

Der Asteroid 2016 H03 umkreist die Erde ziemlich unregelmäßig und bewegt sich dabei auf und ab. Er ist auch nur 36,5 Meter lang und 91 Meter breit, umkreist uns aber schon seit ca. 100 Jahren und wird uns wohl noch lange erhalten bleiben. Er wurde am 27. April 2016 mit dem Pan-STARRS 1 Teleskop auf Hawaii entdeckt. Mit dem bloßem Auge ist er allerdings nicht zu erkennen. Der Asteroid 2016 H03 ist also keine Konkurrenz für unseren Mond. Interessant ist auch, dass unser Mond gar keinen eigenen Namen hat, wie andere Monde, die in einer Vielzahl andere Planeten umkreisen. Da wir nur den einen sehen können, ist er auch nur der Mond.

Manchmal stellt sich aber auch heraus, dass die Entdeckung eines zweiten Mondes der Erde, auch wenn er nur sehr klein ist, trotzdem kein Mond ist. Der Amateurastronom Bill Yeung aus Arizona fand ein solches Objekt, das nur doppelt so weit von der Erde entfernt ist, wie unser Mond. Allerdings war auch dieses Objekt sehr klein. 2 Wochen später stellte sich aber heraus, dass es sich um die Überreste einer Saturn V Rakete von der Apollo 12 Mission handelte, die noch immer ihre Bahnen um die Erde zieht.

Es gibt aber auch noch zwei weitere Begleiter der Erde. Sie sind unglaubliche 100.000 km x 70.00 km groß. Der Nachteil ist nur, dass sie aus kosmischen Staub bestehen und kaum Licht reflektieren und somit extrem schwer nachweisbar sind; sichtbar für unsere Augen sind sie gar nicht. Die einzelnen Partikel sind wesentlich kleiner als 1mm. Die kosmischen Staubwolken – oder sind es per Definition Monde – umkreisen die Erde etwa in Mondentfernung. Der polnische Astronom Kazimierz Kordylewski vermutete bereits im vergangenen Jahrhundert, dass diese kosmischen Wolken vorhanden sind. Die These wurde nun von ungarischen Forschern bestätigt. Die Erkenntnisse wurden von den Wissenschaftler der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest in der renommierten Astronomie-Fachzeitschrift „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ veröffentlicht. Derzeit werden diese Objekte nicht Monde, sondern Kordylewski-Staubwolken genannt.

Ob die Definition Mond nun doch mal exakter beschrieben wird und die Erde dadurch den einen oder anderen Mond hinzugewinnt bleibt abzuwarten. Trotz aller Entdeckungen der neueren Zeit ist eines klar: Wenn wir mit bloßem Augen zum Himmel sehen, sehen wir nur den „Einen“, den wir Mond nennen.

Quipu

12 Kommentare

  1. Vielen Dank für den interessanten Beitrag.
    Bitte mehr davon!

    PS: In einem Satz haben sich noch zwei Fehler eingeschlichen…
    „2 Wochen später stellte sich aber heraus, dass es um die Überreste eine Saturn V Rakete von der Apollo 12 Mission handelte, die noch immer ihre Bahnen um die Erde zieht.“

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