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Quipu im Urlaub: Foz Do Arelho, Portugal

Etwas mehr als eine entspannte Woche machte ich in dem kleinen Örtchen in Portugal Urlaub, doch wenn Quipu im Urlaub ist, passieren manchmal komische Dinge …

Abflug in Hamburg

Da ich ein sparsamer Mensch bin, flog ich von Hamburg aus nach Portugal, da dort zu dieser Zeit keine Ferien mehr waren. Die Kinder blieben zu Hause, so dass meine Frau und ich uns schön erholen wollten. Wir fuhren am Freitag, den 19. Oktober los, um in Hamburg direkt in Flughafennähe zu übernachten. Unser Ryanair-Flieger sollte erst am Samstag gegen Mittag starten. Die Übernachtung in Hamburg war nötig, da wir schon einmal fast unser Schiff in Rotterdamm aufgrund von unendlichen Staus verpasst hätten, dies wollten wir nicht noch einmal riskieren.

Das Hotel war gut, alles lief glatt, wir waren pünktlich am Flughafen und konnten ganz entspannt die Kontrollen passieren und in den Flieger einsteigen. Nach dem reibungslosen Start wollte ich ein wenig schlafen, da erstens Fliegen langweilig ist und zweitens musste ich in Portugal noch ca. 100 km mit dem Leihwagen nach Foz Do Arelho, unseren Zielort fahren.

Zwischenfall in der Luft

Während meine Frau noch unbedingt ihren Roman zu Ende lesen wollte schlief ich – trotzend der lautstarken Verkaufsangebote der Flugbegleiter, sie reichten von Kaffee, Essen bis zu Rubbellosen – tatsächlich etwas ein. Ich schlief am Fenster auf Platz 7a ein, meine Frau las den Roman „Flugangst 7A“ und nein, das war kein Zufall, es war Absicht, der Platz wurde nach dem Roman gebucht.

Beißender Gestank weckte mich aus meinen Träumen. Ich blickte mich um, kein Rauch, ich schaute aus dem Fenster, kein brennendes Triebwerk. Verwirrt schaute ich wieder in den Gang. Es war eine der kleineren Flugzeuge mit je drei Sitzen auf jeder Seite. Auf dem Sitz neben meiner Frau saß eine Dame, sie las und hatte die Frechheit besessen, sich eines dieser Aufback-Käse-Toast-Brote, die diesen Gestank verbreiten, zu bestellen. Sie aß es genüsslich, was ich nicht nachvollziehen konnte, ich hatte es mir abgewöhnt irgend etwas Essbares an Board von Ryanair zu bestellen. Nachdem ich beruhigt die Geruchsquelle ausgemacht hatte, versuchte ich noch etwas zu schlafen, war mir nicht gelang. Dafür verlief der weitere Flug reibungslos.

Ankunft in Lissabon

Landung, Auschecken, Koffer suchen, alles kein Problem. In der Empfangshalle sollte uns jemand von der Leihwagenfirma abholen und uns das Fahrzeug übergeben. Es standen dort ca. 50 Leute, die Schilder mit Namen hochhielten, unserer war natürlich nicht dabei. Wir gingen die Reihen zweimal ab, nichts. Ich entschloss erst mal eine zu Rauchen und verließ den Flughafenbereich. Ich hatte die Zigarette noch nicht zu Ende geraucht, da hörte ich eine bekannte Stimme mit einer fremden Sprache: „Here is my husband“. Ich drehte mich um, meine Frau hatte den Leihwagentyp gefunden. Wir haben einen Kleinwagen gebucht und standen nun vor einem Opel Corsa. Ich stehe auf Kriegsfuß mit dieser Marke, aber das konnte ich nun nicht mehr ändern. Nach dem Papierkram ging es los.

Schon nach wenigen Metern brachte mich der Opel zur Weißglut: Bescheuerter elektronischer Blinkhebel, ich will einen richtigen, mechanischen Blinker. Dieses dämliche antippen des Schalter macht mich irre, will ich ihn zurückstellen, blinkt die blöde Kiste gleich in die andere Richtung. Der Blinker rückte in Vergessenheit, als ich in den ersten von unendlichen Kreisverkehren einfuhr. Die Regel scheinen dort anders zu sein, ich habe sie bis heute nicht verstanden und wurde ständig ausgehupt. Kreisverkehre in Lissabon haben auch schon mal einen Außenkreis und einen Innenkreis, die an einigen Stellen miteinander verbunden sind. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie schaffte ich es unfallfrei zum Hotel. Sogar der gesamte Urlaub verlief unfallfrei, trotz Opel und Tippblinker, an den ich mich nicht gewöhnen wollte oder konnte.

Unser Hotel

Dieses kleine Familienhotel hatte ausreichende Parkflächen, es war ein nettes kleines Gebäude, so wie wir es mögen. Der Empfang war freundlich alles okay … bis wir die Zimmertür aufschlossen. Da war er schon wieder, ein beißender Geruch, es könnte Anti-Schimmel-Mittel sein oder sonst etwas. Wir sahen uns um, konnten jedoch keinen Schimmel oder ähnliches entdecken, auch im Bad nicht. Wir lüfteten und sahen uns zu Fuß den Ort an, gingen zum Stand und suchten schließlich ein Restaurant, eine nette Pizzeria, auf. Wir diskutierten, ob wir dieses Zimmer behalten sollten, oder uns beschweren sollten. Das Essen kam, alles okay, der Nachbartisch war fertig, die Gäste gingen, es kam jemand zum Tisch abräumen und abwischen: Da war er wieder, nicht so aufdringlich, aber eindeutig der gleiche Geruch wie bei uns im Zimmer. Hier wurde lediglich ein Tisch abgewischt, es scheint wohl ein übliches Reinigungsmittel, vielleicht das einzige in dem Dorf zu sein.

Der Geruch im Hotelzimmer hatte sich fast verflüchtigt, wir blieben, auch wenn nach jeder Zimmerreinigung der Geruch wieder auftauchte.

Keine Panik, ich werde nicht jeden einzelnen Tag beschreiben, aber einige meiner Urlaubserlebnisse möchte ich euch doch nicht vorenthalten…

Das böse Erwachen

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, kam ein Familienmitglied des Hotelteams auf uns zu. Er erklärte uns, dass er von unserer Reisegesellschaft TravelBird schon seit Monaten nicht bezahlt wurde und bat uns, die Hotelrechnung zu zahlen. Andere Gäste hätten das auch schon so gemacht und hätten das Geld problemlos von TravelBird bekommen. Wir lehnten ab, versprachen aber, uns mit TravelBird in Verbindung zusetzen. Das taten wir auch. Nach zwei Tagen antwortete TravelBird, dass sie dem Hotel angeboten hätten, unseren Teil unverzüglich zu bezahlen, das Hotel hätte diesen Vorschlag aber abgelehnt. Also stimmte es wohl – warum auch immer – mit dem Zahlungsverzug. Es wäre aber kein Problem, wir sollten die Rechnung bezahlen, eine Kopie der Rechnung an TravelBird schicken und sie würden uns den Betrag umgehend erstatten.

Genau das taten wir, wir zahlen die Hotelrechnung erneut, fotografierten die Rechnung und schickten sie per Mail an TravelBird. Kein Problem, sie würden den Betrag unverzüglich überweisen.

Zu Hause angekommen erfuhren wir, dass kein Geld von TravelBird eingegangen ist, mit einer etwas unfreundlicheren Mail erinnerten wir TravelBird an ihr Versprechen. Die Antwort kam umgehend, das Geld sei nun angewiesen worden. Einen Tag später erfuhren wir auf der Homepage von TravelBird, dass sie Konkurs angemeldet haben. Das Geld haben wir bis heute nicht erhalten.

Käfer beim Essen

Da wir Hotels grundsätzlich nur mit Frühstück buchen, weil wir den ganzen Tag unterwegs sind und nur Abends das Hotel wieder aufsuchen, suchten wir uns jeden Tag ein nettes Restaurant zum Essen. In unserem Ort gab es drei unterschiedliche. Die Pizzeria mit dem Putzgeruch wie im Hotel kannten wir schon, also ging es zum nächsten. Ein ganz normales Restaurant mit einer Speisekarte auf Portugiesisch und Englisch, aber die Google-Übersetzung Portugiesisch-Deutsch oder unsere eigene Übersetzung aus dem englischen Teil der Karte brachte teilweise Ergebnisse wie: Rindersteak vom Schwein mit Muscheln. Wir fanden aber immer etwas, wo wir wenigstens eine ungefähre Ahnung hatten, was wohl kommen würde und lagen meist richtig. Wir aßen öfters dort und ich wagte eine der besonderen Übersetzungen: Schweinefleisch mit Muscheln und ich bekam: Schweinefleisch mit Muscheln, naja, nicht so ganz meins, aber das Fleisch war lecker und die Beilagen sowieso. Mein Frau blickte auf einmal seltsam. Sie hatte ein Fischgericht, was sie auch mochte, trotzdem guckte sie etwas komisch. Sie sagte: „Da frisst gerade ein Käfer einen anderen und kurz zuvor waren dort ein große Anzahl Schmeißfliegen auf einem Haufen“. Verwirrt sah ich sie an: „Was? Wo?“ Ich schaute in ihre Blickrichtung, drehte mich um und sah die überdimensionalen Käfer auf dem riesigem TV-Bildschirm, der sich hinter mir befand. Ich hatte eindeutig den richtigen Platz erwischt 🙂

Alienhand im Kloster

Im Urlaub gehören Besichtigungen von interessanten Bauwerken immer zum Standartprogramm. Mich interessieren diese alten Gemäuer und die Handwerkskunst, die dahinter steckt. Es ist einfach faszinierend, zu sehen, zu welche Meisterleistungen die damaligen Handwerker, Freimaurer im Stande waren. Neben diesen Bauwerken interessieren mich auch Skulpturen und ähnliches. Aus diesem Grunde besuchte wir in Tomar die Templerburg und das Christusritterkloster, ein Weltkulturerbe. Im Christusritterkloster machte mich meine Frau auf einen besonderen Fund aufmerksam: Diese Hand!

Sie ist in einem der unscheinbaren Räumen nur wenige Zentimeter über dem Fußboden versteckt. Man muss sich schon bücken, um ein ordentliches Foto aufzunehmen. Waren hier Aliens am Werk? Besonders interessant wird es, wenn man die Inschrift „CANO“ übersetzt. Es gibt viele Übersetzungsmöglichkeiten, es könnte „Rohr“ heißen, was aber irgendwie keinen Sinn ergibt. Die spannendste übersetzung stammt aus dem Spanischen und bedeutet: „GRAU“. Naja, mehr brauche ich wohl nicht dazu sagen, eine Alienhand mit der Inschrift Grey in einer Burg, die im Jahre 1160 im Auftrag von Gualdim Pais, den Ordensmeister der Tempelritter, errichtet worden ist. Was will man mehr im Urlaub erleben.

Feuer in der Kirche

Ein weiteres Highlight war der Besuch der Stadt Fátima. Diese Stadt ist ein berühmter Wallfahrtsort. Am 13. Mai 1917 soll hier drei Hirtenkindern die Jungfrau Marie erschienen sein. Da es massenhaft Pilgerer gibt, die diesen Ort aufsuchen und auch der Papst schon öfters hier war, wurde gegenüber der alten Rosenkranz-Basikika im Jahr 2007 die neue Basilika zur Heiligsten Dreifaltigkeit eingeweiht. Auf dem riesigen Vorplatz zur Kirche haben über 9.000 Menschen platz. Irgendwie scheint dies ein heiliger Ort zu sein, denn als ich eine Kerze anzündete, musste ich die Kirche schnell verlassen.

Okay, das stimmt so nicht, die Kerzen wurden außerhalb der Kirche in einem extra Unterstand entzündet, warum das hier so ist, sollte nun jedem klar sein. Alles brannte lichterloh – sehr schön.

Rostige Niete an der Turbine

Das letzte interessante Erlebnis war auf dem Rückflug. Ich hatte wieder einen Fensterplatz und schaute die gesamte Zeit auf diese rostige Niete an der Turbine des Flugzeuges und machte mir so meine Gedanken über die Sicherheit von sogenannten Billigfliegern. Was soll ich noch weiter Spannung aufbauen, da ich diesen Text schreiben kann, ist es offensichtlich, dass diese Niete bis zur Landung gehalten hat.

Wenn ihr mich jetzt fragt, ob ich den Urlaub genossen habe und mich gut erholt habe? Selbstverständlich, außer diesen kleinen Anekdoten war der 8tägige Portugal Urlaub perfekt. Meist um 25 Grad, leckeres Essen, Eis, Spaziergänge am Strand, Besichtigungen von Städten, Klostern, Burganlagen und ein ruhiges Dorf zum Schlafen, genau so, wie ich mir Urlaub vorstelle.

Quipu

11 thoughts on “Quipu im Urlaub: Foz Do Arelho, Portugal

  1. Da bin ich aber froh, dass der Urlaub nicht ganz zum Desaster wurde. Ich hatte beim Lesen ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich so lachen musste (vor allem über die Käfer im Fernsehen). Klasse Beitrag! Ich war vor zwei Jahren selbst in Portugal, und fand es auch wunderschön dort. Den einzigen Fehler, den ich begangen habe, war dass ich im August dort war. Als Schneewittchen reiste ich hin, und kam als Sebastian, die Krabbe zurück.

  2. Ganz toller Bericht…ich mache für mich persönlich auch solche Berichte von meinen Ferien 🙂
    Es entspannt mich auch, nach einem spannenden Tag, den Abend mit Schreiben ausklingen zu lassen 🙂

  3. Das mit dem Hotel bezahlen ist bitter. Wenn die schon sagen, dass der Veranstalter nicht zahlt… Wenn das mit dem Kreisverkehr so ist wie in Italien, dann einfach immer innen fahren, bis kurz bevor man abbiegt. So kann jemand, der von rechts kommt sich einfädeln und man kann dann vor ihm rechts abbiegen. Wenn du Rechts fährst und über eine Einmündung drüber fährst, wirst du angehupt, weil derjenige denkt, du willst abbiegen. Ist anders als hier wo jeder doof Stegen bleibt, selbst wenn Mal einer freundlicher Weise blinkt. Klappt wesentlich besser und effizienter als hier, wenn man sich darauf ein lässt.

    Auch irgendwie mysteriös

    1. Ich habe mir die Situation nochmals vor Augen geholt, du hast recht, ich wurde tatsächlich ausgehupt, weil ich im Außenkreis an den Ausfahrten vorbeigefahren bin und häufig vom Innenkreis geschnitten, da jemand direkt von diesem vor mir noch abfahren wollte. Eigentlich ganz einfach. Danke für die Info!

  4. Toll geschrieben!
    Es zu lesen und sich dabei den korrekten Quipu vorzustellen, wie er sich mir als „Bild“ durch seinen Youtube-Kanal darstellt, war ein besonderer Spaß. Ich habe manchmal laut lachen müssen.
    DANKE Quipu

  5. Die Alienhand ist ja mal wieder klasse, die kommt sogar so schön von oben herab und lässt den Mittelfinger wie einen Strahl nach unten zeigen… ob die damals schon Hollywood kannten? Die Fatima Kinder konnten doch auch in die Zukunft sehen..

  6. Hallo Quipu,
    willkommen zurück ! Ein interessanter Bericht. Ihr drei Mythies kommt mir vor, als wenn ihr niemals aufhört, auszuzuiehen, um das fürchten zu lernen. Und wenn einer wie Du (nebst Familie) eine Reise tut, kann er (die Familie) sicher was erleben. Da Du dabei auch noch Argusaugen hast und eine bestimmte Mythenbrille Dein Gesicht schmückt, wird ja alles interessant. Du siehst ja mehr, als viele Andere.
    Urlaub in Portugal ist auf jeden Fall schöner, als Forschungsreisen nach Cap Haiten via Port au Prince, Haiti. Im übrigen kannst Du wunderbar Berichte schreiben. Die Sache mit dem Geruch und auch mit der Reisegesellschaft war natürlich mehr als ärgerlich. Aber es scheint ja doch ein schöner Urlaub gewesen zu sein.
    Ich würde gern mal mit dem Auto nach Portugal fahren, da ich da noch nie war. Ich habe auch Argusaugen, aber wenig Mythenbrille. Dafür eine „Brille des Staunens“, die ich nie absetze. Aber weder ich noch mein Polo BJ 93 würden die Hitze überleben.
    Gruß

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